About this Site - Sitemap



UTOPIE

----1400----

VORLÄUFER

----1890----

LEBENSREFORM

BOHEME

  • in München
----1918----

RÄTEREPUBLIK

  • in München

ARBEITERTHEATER 1880-1930s

WEIMARER REPUBLIK

  • braunes München
  • Berlin
  • Moskau - Paris - New York
----1955----

1960 - 1970 - 1980

----1989----

HEUTE



























edit this sidebar



Recent Changes Printable View Page History Upload File Edit Page

Lebensreformer M. Gnadinger

aus Hamburger Morgenpost, 30.12.2002

Letztes "adis" fr Eremit Manfred - Zukunft seines Museums ungewiss

La Corunia/Madrid (dpa) - Vier elektrische Kerzen, zwei Kreuze, ein Kranz und ein Farbfoto des Verstorbenen, auf dem er ein wenig Jesus Christus gleicht: Der einfache Sarg des Einsiedlers Manfred Gnadinger war zwar nicht reich geschmckt, umso ehrlicher war aber die Trauer der vielen Bewohner des kleinen galicischen Fischerdorfes Camelle, die dem 63-jhrigen Deutschen die letzte Ehre erwiesen.

Die Totenwache fr den gebrtigen Dresdner, der nach berzeugung aller in dem Ort aus Kummer ber die lpest vor seiner Haustr gestorben ist, fand im Wohnzimmer einer Nachbarin statt. An der Tr sammelten schwarz gekleidete Frauen Geld fr die Blumen zur Beisetzung, die fr den spten Nachmittag auf dem Dorffriedhof angesetzt war. "Er war ein guter Mensch", sagte einer der Anwesenden.

Sorge bereitet in dem knapp 2000 Einwohner zhlenden Ort an Spaniens "Todeskste" die Zukunft von Gnadingers Freilichtmuseum mit all den bunt bemalten Felsen und Skulpturen aus Stein, Holz, Fischknochen oder angeschwemmten Autoreifen. In einem Brief hatte der Deutsche vor seinem Tod am Samstag die Regionalregierung gebeten, sich um das von Hunderten Touristen besuchte und nun lverschmierte Gelnde zu kmmern. "Er wollte noch zum Notar, um seinen letzten Willen beurkunden zu lassen, doch dafr war er dann doch zu schwach", berichtet Manfreds bester Freund Antn. Dies rief die Brokratie auf den Plan: Die sechs Quadratmeter groe Htte, in der der Deutsche seit 40 Jahren lebte, war zwar sein Eigentum, der Skulpturengarten befindet sich aber auf ffentlichem Grund. Die rtliche Fischergenossenschaft und die Gemeindeverwaltung haben sich angeboten, das Erbe des Deutschen zu erhalten, doch mangels Testament hat zunchst ein Zivilgericht das Sagen.

Nach seinem Tod erfhrt Gnadinger jedenfalls eine Solidaritt, die er zeitlebens in dem Dorf nicht immer genoss. Schlielich hielten manche den hageren Sonderling mit dem Lendenschurz fr einen Verrckten. Nun erinnern sich die Bewohner daran, wie der Deutsche einmal unschuldig der Vergewaltigung der Tochter eines Touristen aus Madrid beschuldigt worden war oder wie er sich an einen Bagger kettete, als einige seiner Skulpturen entfernt werden sollten. Dass "Man", wie ihn alle nannten, einen Teil der Eintrittsgelder fr sein Museum stets der Caritas spendete, wird auch in Erinnerung bleiben.

Der Tod Gnadingers machte in ganz Spanien Schlagzeilen. "Die tdliche Melancholie eines freien Menschen", titelte die meist gelesene Tageszeitung "El Pas", und "El Mundo" widmete ihm am Montag ihre Karikatur. Dort ist zu sehen, wie der Tod den Deutschen holt: "Nun Manfred, Du fragst Dich bestimmt, ob es ein Leben nach dem Tod gibt", fragt des Sensenmann. "Eigentlich frage ich mich, ob auf die eine lpest eine weitere folgt", antwortet der naturliebende Eremit.

In Camelle, wo der Deutsche auch mit einer Schweigeminute geehrt wurde, resmiert es eine Bewohnerin so: "Manfred hat uns immer gesagt, unser Dorf werde durch ihn bekannt werden. Jetzt wo er tot ist, wissen wir, dass er Recht hatte."

Jrg Vogelsnger, dpa

mehr links: http://www.welt.de/data/2003/01/04/29868.html http://www.ocorreogalego.com/periodico/20021230/Cultura-Sociedad/N160873.asp http://www.sabine-christiansen.de/dpa/c_boulevard_10.html

back to Gustaf Nagel

Edit Page - Page History - Printable View - Recent Changes - WikiHelp - SearchWiki
Page last modified on May 26, 2005, at 09:51 AM