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AUS GEGEBENEM ANLASS: ANTIFASCHISMUS IM FILM ist ein Seminar und Serie von Filmscreenings an der ADBK München, montags um 18h Neubau E_01_23



 17 Juni 2017

Sein oder Nicht sein von Ernst Lubitsch (D 1942, 90 min)

Im Kriegsjahr 1942 kam der vom, bereits 1922 aus Deutschland in die USA emigrierten Regisseur Ernst Lubitsch gedrehte Spielfilm „Sein oder Nicht Sein“ („To be or not to be“) in die amerikanischen Kinos. Der Film löste eine Kontroverse darüber aus, ob Witz und Humor geeignete Mittel sein können, um sich kritisch mit dem Nationalsozialismus auseinanderzusetzen. Zwei Jahre nach Chaplins „Der große Diktator“, wirkten neben den amerikanischen Hauptdarstellern, mehrere vor den Nazis geflohene Schauspieler in Nebenrollen mit.

Die Handlung: Die Betreiber und Schauspieler eines Warschauer Theaters proben 1939, kurz vor dem Ausbruch des 2. Weltkriegs, eine antifaschistische Komödie, die auf Druck der eigenen Regierung abgesetzt wird. Im weiteren turbulenten Verlauf des Films setzen sie all ihre dramaturgischen und schauspielerischen Fähigkeiten ein, um zu verhindern, dass eine schwarze Liste polnischer Widerstandskämpfer in die Hände der nationalsozialistischen Besatzer fällt.

"Ich gebe zu, dass ich die Nazis nicht so dargestellt habe, wie das Filme, Romane und Stücke sonst tun, wenn sie Naziterror zeigen. Keine Folterkammer, keine Auspeitschung", schrieb Lubitsch damals zu seiner Verteidigung. "Meine Nazis sind anders: Sie sind längst über diese Stufe hinaus. Brutalität, Auspeitschen und Tortur sind ihre Alltagsroutine. Sie reden darüber wie ein Geschäftsmann über den Verkauf einer Handtasche. Sie machen ihre Witze über das KZ und die Leiden ihrer Opfer."

Mit im Rückblick geradezu unfassbarem Scharfsinn erfasst "Sein oder Nichtsein" zugleich das Theaterhafte, ja Theatralische, im innersten Wesen der NS-Terrordiktatur. Das Vexierspiel um echte und falsche Bärte, Agenten, SS-Männer und Führer führt zu einer ständigen Verdoppelung und Spiegelung aller Figuren. Als der Regisseur bei den Gestapo-Proben bemängelt, er finde Bronski nicht überzeugend, weil er nur wie "ein Mann mit einem kleinen Schnurrbart" wirke, kontert der Maskenbildner: "Aber das ist Hitler doch auch nur." Auch die Nazis spielen Theater – und zwar der schmierigsten, wirkungsvollsten Art.

Das NS-Regime war eines, das sich durch hemmungslos triumphale Ausstattung, Dramaturgie und Inszenierung seine eigene verführerische Wirklichkeit und Bedeutung schuf, wie sich etwa an Leni Riefenstahls Film "Triumph des Willens" (1935) studieren lässt. Doch anders als in der harmlosen Bühnenwelt ist eine solche Theatralik in der Wirklichkeit nicht nur lächerlich und unangemessen, sondern wird zu einer tödlichen Bedrohung für alle, die in dieser Inszenierung als Opfer vorgesehen sind. Der wohl berühmteste – und umstrittenste – Satz des Films zeigt gerade diesen Unterschied auf: "Was der mit Shakespeare gemacht hat", sagt Gruppenführer Ehrhardt über Joseph Tura, "das machen wir heute mit Polen."

Darum ist es nur folgerichtig, dass es ausgerechnet Schauspieler sind, welche das Nazi-Theater ins Wanken bringen.


 3. Juni

Ein Vorfilm aus Postkarten zu Magnus Hirschfelds Institut für Sexualwissenschaft

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Hauptfilm

Rüdiger Sünner: Schwarze SonneSchwarze Sonne - Kultorte und Esoterik des III. Reichs (D 1997, 90 min.)

Mythologische Hintergründe des Nationalsozialismus

Der essayistische Dokumentarfilm behandelt die Beziehung von Mythos und Herrschaft, Esoterik und Macht im "Dritten Reich". Der Film beleuchtet den Einfluß von esoterischen Weltbildern und Mythen, die bereits am Ende des 19. Jh. in Deutschland und Österreich weit verbreitet waren, auf die NS-Ideologie.

Die Nationalsozialisten verstanden sich als das "arische Licht", das gegen die "jüdisch-bolschewistische Finsternis" antrat. Dabei bedienten sie sich vorchristlicher Symbole, vor allem germanischer Runen und keltischer Kultorte wie den Externsteinen. Alles diente dem Versuch, sich eine mythische Legitimation für die beanspruchte Führungsrolle zu verschaffen.

Der Film ist eine chronologische Reise zu den Ursprüngen der Nazi-Ideologie und sucht zahlreiche "Kultorte" auf. Bild- und Archivmaterial beleuchtet die Verflechtung von Esoterik, Mythologie und Rassismus. Fachleute und Zeitzeugen ergänzen diese visuelle Reise in den Bizarrsten Untergrund abendländischer Geschichte

Rüdiger Sünners Film ist der allzu vorsichtige Versuch der Erhellung der "Mythologischen Hintergründe des Nationalsozialismus" mit Hilfe interessierter Fragen und ohne Antworten. Er verabschiedet sich dabei von naturwissenschaftlichem, positivistischem, moderner Logik verpflichtetem Denken.


 27.Mai 2019

Ich war neunzehn Korad Wolf, DDR 1967, 115 mins

Im Stil fragmentierter Tagebucheinträge verfilmte Konrad Wolf 1968 seine Erfahrungen in der Roten Armee am Ende des II. Weltkriegs: Ein jugendlicher Blick auf ein historisches Ereignis.

Im März 1934, vierzehn Monate nach der nationalsozialistischen Machtübernahme in Deutschland, kam Konrad Wolf in die Sowjetunion. Er war neun Jahre alt und zweiter Sohn des Schriftstellers und Arztes Friedrich Wolf. Der Vater, ein engagierter, aus einer jüdischen Familie stammender Kommunist, hatte das Heimatland schon ein Jahr zuvor verlassen; nun waren ihm auch Frau und Kinder ins Exil nachgereist. 1936 erhielt Konrad Wolf die sowjetische Staatsbürgerschaft. 1943 trat er in die Rote Armee ein.

"Ich werde hinter euch her sein, bis ihr verreckt seid. Bis ihr begriffen habt, dass es damit vorbei ist, ein für allemal vorbei."


 20.Mai 2019

Wie werde ich Demokrat?
89 min Regie: Dieter Reifarth D2002

„Hitler – weg! Hakenkreuze – verschwunden! Nazi-Propaganda – ausgeschaltet! Die Nazi-Partei scheint verschwunden. Aber das Nazi-Denken ist geblieben.“

TV-Spielfilm ordnet den Film in die Kategorie: Politikdoku über die "Re-Education"

8. Mai 1945: Nach zwölf Jahren Diktatur und fast sechs Jahren Krieg gilt Deutschland als "outlaw nation". Um den Deutschen Demokratie beizubringen, ersinnen die Alliierten die Umerziehungskampagne "Re-Education". Die Wochenschau "Welt im Film" spielt dabei eine tragende Rolle. Bis 1952 entstanden etwa 100 "Lehrfilme" wie zum Beispiel "Panzerfaust wird Küchengerät". Eine sehenswerte Zeitreise.

Von 1945 bis 1952 berichtet die amerikanisch-britische Wochenschau WELT IM FILM über Politik, Kultur und Alltag im Nachkriegsdeutschland. Gleichzeitig entstehen im Auftrag der Militärregierung in den westlichen Besatzungszonen etwa 100 Lehr-, Propaganda- und Dokumentarfilme. Diese Filme und die Wochenschau sind Teil einer Kampagne zur Umerziehung (Re-Education) der Deutschen und widmen sich der entscheidenden Frage: Wie werde ich Demokrat?

Der Kompilationsfilm WIE WERDE ICH DEMOKRAT? ist vollständig aus Originalmaterial montiert, das für sich selbst spricht, auf nachträgliche Kommentare wurde verzichtet. Dadurch ist ein authentisches, spannendes und facettenreiches Bild von Aufbruch und Neubeginn entstanden. Eine eigenwillige filmische Moritat darüber, wie aus Ruinen eine Demokratie erstand, wie aus einer »outlaw nation« ein moderner Verfassungsstaat wurde. Dieter Reifarth montierte aus Archivmaterial ein authentisches, spannendes und facettenreiches Bild von Aufbau und Neubeginn.


 13. Mai 2019

Willkommen, bienvenue, welcome!
Fremde, etranger, stranger.
Glücklich zu sehen, je suis enchante,
Happy to see you, bleibe, reste, stay.

CABARET ist ein Musical-Klassiker, der in Zeiten weltweit erstarkender nationalisitscher Strömungen neue Relevanz gewinnt - ein Lehrstück über die Gefahr politischer Teilnahmslosigkeit. Die Vorlage zum Film lieferte der autobiografische Roman "Goodbye to Berlin" (1939) von Christopher Isherwood. In vielen Einzelgeschichten schildert er einerseits ein ungeahnt offenes und freizügiges Berlin, aber auch den Wandel des Zeitgeists nach den Goldenen Zwanzigern und dem sich erhebenden Dritten Reich in den 30ern. Im Zentrum der Handlung steht die US-Sängerin Sally Bowles (Liza Minnelli), der gefeierte Star des Kit-Kat-Klubs - ein Cabaret, das mit grell-aufreizenden musikalischen Darbietungen gesellschaftskritische Themen komisch-unterhaltend darstellt.

Regie von Bob Fosse (1972, 124 Min) mit Liza Minnelli, Michael York, Helmut Griem, Fritz Wepper, Marisa Berenson und Joel Grey. Mit Musik von John Kander und Liedtexte von Fred Ebb.

A great movie musical. Taking its form from political cabaret, it’s a satire of temptations. We see the decadence as garish and sleazy; but it’s not just as a Brechtian backstage ‘meta’ filmusical that Cabaret impresses us, the literal germ of Fascism’s sentimental Utopian appeal is been lucidly demonstrated. As a parable or metonym for the rise of German Nazism, as a comedy of social and sexual manners, as a romantic drama involving widely divergent character types and sexual tastes.

For its Dystopian anti-filmusical-ness, for the ample bravura opportunities it presents, for its satirically cutting edginess, for its appeal to the festively corrupt (and corruptible) amongst us


 05. Mai 2019

Letzte Wahl. (Wahlkampf 1932) von Ella Bergmann-Michel (D 1932/33, 13 min)
Horizontale und vertikale Formationen schreiten die Straßen entlang. Liste 1 und Liste 5, man ist sich einig und auch nicht. Das Volk wählt. Ella Bergmann-Michel wurde nach der Veröffentlichung kurzzeitig verhaftet, der Film verboten.

Kuhle Wampe oder Wem gehört die Welt? Regie: Dudow Manuscript: Brecht, Ottwalt Musik: Eisler (D 1932, 74 min) von der Zensur freigegebene Fassung, Original lost

Aus der erdrückenden und aussichtslosen Lage in Berlin der 30er, flüchtet die Familie Böhnicke in eine Art Gartenkolonie, die Kuhle Wampe. Von dort fährt der Zug nach Berlin und die Menschen sitzen zusammen. Ein weiteres Ereignis und gesellschaftliche Pflichten zwingen die Akteurin zu handeln, das Leben wird eng. Aber doch, man kann sich entscheiden.


 29.April 2019

Der Untertan ist ein Film von Wolfgang Staudte (DDR, 1951, 109 Min) nach einem Roman von Heinrich Mann (1914). Er beschreibt das nach Macht strebende Mitläufertum als typisch deutschen, preußischen Untertanengeist, der sich dadurch auszeichnet 'nach oben zu buckeln und nach unten treten'. 1950 erscheint 'The Authoritarian Personality' von Theodor W. Adorno und Else Frenkel-Brunswik, welches die Generationen der 1960er und 1970er stark beeinflusste (-> antiautoritäre Erziehung). Bereits 1941 entwickelte Erich Fromm die Grundzüge des autoritären Charakters ('Escape from Freedom'). Der fundamentale Zusammenhang zwischen autoritärer Triebunterdrückung und faschistischer Ideologie und die autoritär verfasste Familie als Keimzelle des autoritären Staates wurden von Wilhelm Reich anhand seiner psychoanalytisch-gesellschaftskritischen Auseinandersetzung mit Faschismus und Nationalsozialismus formuliert.

Im Film ist dieser Untertanengeist so gut beschrieben, dass er im Westen zuerst verboten und ungekürzt erst nach 20 Jahren zu sehen war. 'Der Spiegel' begründete das 1951 so: „Ein Paradebeispiel ostzonaler Filmpolitik: Man lässt einen politischen Kindskopf wie den verwirrten Pazifisten Staudte einen scheinbar unpolitischen Film drehen, der aber geeignet ist, in der westlichen Welt Stimmung gegen Deutschland und damit gegen die Aufrüstung der Bundesrepublik zu machen. Der Film lässt vollständig außer Acht, dass es in der ganzen preußischen Geschichte keinen Untertan gegeben hat, der so unfrei gewesen wäre wie die volkseigenen Menschen unter Stalins Gesinnungspolizei es samt und sonders sind.“

VOILÁ! Komm und Sieh!

  • Heinrich Mann : Der Untertan (Buch)
    • professor unrat (film -> blaue engel) 1905
    • der untertan (1912-1914) / vorabdruck in d wird zensiert und abgebrochen. 1915 erstveröff russland, 1916 privatausgabe d, 1918 d
  • Wolfgang Staudte 1906-1984 : Der Untertan (Film) / Trailer / PDF Bundeszentrale politische Bildung
    • 1944 Der Mann, dem man den Namen stahl / von nazis verboten wegen seitenhiebe auf bürokratie
    • 1946 die mörder sind unter uns /einer der ersten deutschen nachkriegsfilme, in den ruinen von berlin
    • 1948/1949 Rotation / mitläuferproblematik im 3. reich, sohn (strammer hitlerjunge) denunziert vater
    • 1951 Der Untertan / heinrich mann verfilmung. Staudte erhielt dafür den Nationalpreis der DDR. In der BRD wurde der Film als Angriff auf die Bundesrepublik gewertet und daher verboten, durfte nur in geschlossenen Veranstaltungen gezeigt werden und wurde erst 1957 in einer stark gekürzten Fassung freigegeben. Erst zwanzig Jahre später zeigte das westdeutsche Fernsehen den Film ungekürzt.
    • ab 1955 arbeitet Staudte in der BRD
    • 1959 Rosen für den Staatsanwalt / bissige Satire auf die Zustände in der bundesdeutschen Justiz der Adenauer-Ära eingeht.
    • 1962 dreigroschenoper / brecht
    • 1973 Tote brauchen keine Wohnung /massive Kritik vom Rundfunkrat an der „brutalen und menschenverachtenden Darstellung“ des Vermieters Pröpper (Walter Sedlmayr). Die Folge wurde daraufhin 19 Jahre lang bis 1992 für Wiederholungen gesperrt.
  • Die autoritäre Persönlichkeit (Sanford, Levinson, Frenkel-Brunswik, Institut für Sozialforschung, Adorno) und Der autoritäre Charakter (Reich/Fromm)
  • vergl dazu Brian Holmes : Der flexible Charakter the flexible personality


AUS GEGEBENEM ANLASS: ANTIFASCHISMUS IM FILM ist ein Seminar und Serie von Filmscreenings an der ADBK München, montags um 18h Neubau E_01_23

Ausgewählt und präsentiert von Studierenden der ADBK, Madeleine Bernstorff, Stephan Dillemuth, Gürsoy Dogtas, Karolin Meunier, Maria Muhle, Martin Schmidl, Stephanie Weber und Justin Lieberman, Tanja Widmann u.a.







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