Recent Changes Printable View Page History Upload File Edit Page



AUS GEGEBENEM ANLASS: ANTIFASCHISMUS IM FILM ist ein Seminar und Serie von Filmscreenings an der ADBK München, montags um 18h Neubau E_01_23



03.02.2020

 Wolfgang Staudte : Rotation (87 Min, DDR 1948)

Der Film "Rotation" spielt in der Zeit zwischen 1920 bis 1945. Er begleitet einen anfangs noch unpolitischen Arbeiter durch sein Leben. Im Laufe des Films ändert sich nicht nur die politische Lage im Land sondern auch die Einstellung des Hauptdarstellers.

Hans Behnke ist gelernter Drucker, Politisch desinteressiert, gilt sein Bemühen auch nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten dem Erhalt des Arbeitsplatzes. Dennoch repariert er auf die Bitte seines Schwagers hin, der später im KZ umkommt, eine Druckerpresse, auf der antifaschistische Flugblätter gedruckt werden, von denen er sich in purer Naivität einige Exemplare mit nach Hause nimmt. Sein Sohn Hellmuth, fanatischer Hitlerjunge, entdeckt sie und denunziert ihn.

Im Gefängnis Moabit entgeht er zusammen mit den anderen Häftlingen in den letzten Kriegstagen der Erschießung durch die SS. Die einmarschierenden russischen Truppen retten ihn und die anderen vor der Hinrichtung. Nach Kriegsende stehen sich der befreite Vater und der aus der Gefangenschaft heimkehrende Sohn gegenüber.

Der Film wurde 1948 in Babelsberg gedreht und kam 1949 in die Kinos. Die Erstausstrahlunug im DDR-Fernsehen erfolgte im April 1954in der BRD/ARD imd Mai 1958.

Wolfgang Staudte reflektiert ein Problem nicht nur des Dritten Reichs: „In einem politischen Raum unpolitisch leben“ zu wollen. Ohne großes Pathos und vordergründige Didaktik, mit sensiblem Gespür für das Alltagsmilieu und unterstützt von engagierten Schauspielern zeigt der Film die Gefahren, die der unpolitische Kleinbürger mit heraufbeschwören kann und denen er ausgesetzt ist. Ein eindrucksvolles, fundiertes, objektives Zeitbild.

„Staudtes Film ist eine realistisch-kritische Analyse des unpolitischen, kleinbürgerlichen Opportunisten und Mitläufers, ohne den der Nationalsozialismus in Deutschland keine Chance gehabt hätte. Ein eindrucksvolles, engagiertes Zeitbild.“ – Lexikon des Internationalen Films
  • Zur Fluting des Nord Süd Tunnels Ende April 1945 schichteten SS-Pioniere mit genauer Ortskenntnis an der empfindlichsten Stelle des Tunnels bündelweise Sprengstoff auf. Um 7.55 Uhr morgens am Mittwoch, dem 2. Mai 1945, zerstörte dann eine gewaltige Detonation die teilweise über einen Meter starke Stahlbetondecke des Tunnels unter dem Landwehrkanal sowie die Sicherungskammern beiderseits der Unterfahrung.

27.01.2020

 Joachim Kunert : Das zweite Gleis (DDR 1962)

Auf einem Güterbahnhof wird Ladung aus einem Wagon gestohlen. Die Täter werden während ihres Raubzugs vom leitenden Fahrdienstleiter Brock gestört und fliehen. Bei einer Gegenüberstellung mit allen Mitarbeitern erkennt Brock einen der Diebe, schweigt jedoch der Polizei gegenüber und bittet stattdessen unmittelbar im Anschluss seinerseits um eine Versetzung. Der junge Helfer des erkannten Täters versucht nun über Kontaktaufnahme zu Brocks Tochter Klarheit über dessen sonderbares Verhalten zu erlangen und gemeinsam beginnen die Beiden die vertuschte Vergangenheit der zwei älteren Männer während der Zeit des Nationalsozialismus aufzudecken.

„Das zweite Gleis“ ist einer der wenigen DEFA-Spielfilme, die sich der Vergangenheit der DDR-Bürger während der NS-Zeit widmen und auf eine Auseinandersetzung mit Schuld auch in der antifaschistischen, sowjetischen Besatzungszone pocht.


20.01.2020

 ANIMATED FILMS - мулытфилым - ZEICHENTRICKFILME

Antimated Antifa! Mit Zeichentrick gegen den Faschismus, anhand von Beispielen aus der Soviet Union und den USA:

Nach der Oktoberrevolution und der ersten Phase der russische Avantgarde konnte eine kleine Gruppen von Enthusiasten Mitte bis Ende der 1920er-Jahre mit den technischen und den ästhetischen Möglichkeiten des Animationsfilms experimentieren. Es entstanden kurze animierte Filmchen für Propagandazwecke.

In den USA produzierten Studios wie Disney im zweiten Weltkrieg plötzlich nicht mehr nur Kinderfilme, sondern antifaschistische Propaganda-Cartoons. Nach dem Krieg wurden diese wieder aus dem Handel genommen, obwohl z.B. „The Fuehrer“s Face“ sogar einen Oscar gewonnen hatte.

Als in der Sowietunion der Sozialistische Realismus proklamiert wurde, war bereits 1932 der Einfluss des Futurismus und der russischen Avantgarde auf die russischen Animationen verschwunden. Nun waren ästhetische Experimente nicht mehr an der Tagesordnung.

1934 schickte Walt Disney eine Filmrolle mit einigen Shorts zum Internationalen Filmfestival Moskau. Die damaligen Animatoren der SU waren von der Flüssigkeit der Bilder und von den neuen Möglichkeiten der Animationen, die Walt Disney zu bieten hatte, überwältigt.

Eine Reihe von Cartoons, zeigen die deutschen Invasoren und den endgültigen Triumph der Roten Armee. Heldenhafte Russen besiegen den Feind, wie zum Beispiel die jungen Pioniere, die es mit deutschen Panzern aufnehmen. Spätere Filme zeigen die Angst der Nachkriegszeit, dass ein wiedererstarktes Deutschland die UDSSR erneut angreifen könnte - mit westlicher Unterstützung.

  • Fascist boots shall not trample our motherland (SU- 1941) - A._Ivanov_and_I._Vano
  • Der Fuehrer’s Face (US- 1943) - Walt Disney
  • A Lesson not learned (SU- 1971)- Y. Karavaev
  • Die Sensation des Jahrhunderts (DDR- 1959-1960) - Otto Sacher
  • Attention Wolves (SU- 1970)- Y. Gamburg
  • Education for Death (US- 1943)- Walt Disney
  • A Lesson not learned (SU- 1971)- Y. Karavaev
  • Die Sensation des Jahrhunderts (DDR- 1959-1960) - Otto Sacher
  • We can do it (SU- 1970)- l. Atamanov
  • The Ducktators (US- 1942)— Warner Bros

13.01.2020

 Föhrenwald -  Film und Vortrag von Michaela Melián

Michaela Melián erzählt in "Föhrenwald" die wechselvolle Geschichte der gleichnamigen, 1937 in den Isarauen gebauten Mustersiedlung. Diese diente als geschlossenes Lager für Zwangsarbeiter, nach dem Zweiten Weltkrieg als Auffanglager für Displaced Persons – europäische, meist polnische Juden, Überlebende des Holocaust, die als heimatlose Ausländer auf eine Ausreise nach Israel oder Amerika hofften.

Ab 1955 hatte Föhrenwald erstmals freiwillige Bewohner, Heimatvertriebene, die sich Siedler nannten. Der Text des Hörspiels verwendet u.a. transkribierte Interviews und Aufzeichnungen der damaligen Bewohner. Die Komposition basiert auf den Klängen von Tonträgern, die in den Jahren 1931-35 von Schallplattenfirmen verlegt wurden, die mit dem "Jüdischen Kulturbund" assoziiert waren. Für "Föhrenwald" wurde Michaela Melián im Mai 2005 mit dem Hörspielpreis der Kriegsblinden ausgezeichnet.


16.12.2019

 Le chagrin et le pitié / Das Haus von nebenan – Chronik einer französischen Stadt im Kriege (F1969, R: Marcel Ophüls)

Die süd-französische Stadt Clermont-Ferrand gibt 1969 den Schauplatz für den Dokumentarfilm Le chagrin et le pitié (Das Haus von nebenan – Chronik einer französischen Stadt im Kriege ). Marcel Ophüls geht hier der Geschichte des Nationalsozialismus in Frankreich nach, in einem Ort, an dem – wie wohl an vielen anderen - faschistische Tendenzen, widerwillige Kollaboration und Widerstand zusammenkamen. Ophüls spricht mit allen, mit Überlebenden der Konzentrationslager und Mitgliedern der Résistance, mit deutschen Armeeangehörigen, die Teil der Besatzung gewesen waren, und jenen, die sich aus allem vermeintlich heraushielten. Dabei findet er Gesprächspartner*innen aller Klassen und aller politischen Orientierungen - jedoch nur eine Frau. Im Vordergrund stehen für Ophüls der Umgang mit dem Unwesen des Nationalsozialismus im Alltag, die damaligen und gegenwärtigen politischen Positionierungen und Haltungen, die Handlungsspielräume und die Widersprüche bzw. die Brüchigkeit der vorgestellten Selbstentwürfe.


9.12.2019

 Konrad Wolf : Sterne [DDR 1959 92mins]

Der DEFA-Film trägt den bulgarischen Originaltitel 'Звезди', er gilt als erster deutscher Film, der sich mit der Verantwortlichkeit der Deutschen im Holocaust auseinandersetzte. 1995 wurd er zu einem der 100 wichtigsten deutschen Filme gewählt. Am 3. Juni 1960 kam der Film in einer geschnittenen Fassung in die Kinos der BRD. Es fehlte die Schlusssequenz, in der sich Walter mit Petko über die Waffenversorgung der Partisanen verständigt.

1943 wird ein kleines Dorf von Deutschen in Bulgarien besetzt. Daraufhin erreichen griechische Sephardim das Dorf, wo sie bis zum Weitertransport nach Auschwitz in einem Lager gefangen gehalten werden. So kommt es zu einem konfliktgeladenen Aufeinandertreffen der Hauptpersonen einem Wehrmachts-Unteroffizier, einem Leutnant, einer Gefangenen und den Partisanen.

Es findet sowohl eine Überlagerung der gezeigten Bilder statt, wie auch das Gesagte sofort Metaphern aufzeigt, die einen an andere Filminhalte aus unserer bisherigen Filmreihe erinnern und dort Verknüpfungen herstellt. Im Film sind die jiddischen Lieder Es brennt (orig. S’brennt) von Mordechaj Gebirtig und das Volkslied Eli Eli zu hören, die Gerry Wolff in einer eingedeutschten Version singt.

„Daß ein so gerechter […] Film ausgerechnet von der sowjetischen DEFA stammt, mag, wie manche sagen, eine Schande sein. Ich weiß eine viel größere Schande: daß unsere freie Filmproduktion noch immer keine gleichwertige Auseinandersetzung mit dem so schmerzenden Thema zustande gebracht hat, um das es hier geht.“ - Günther Geisler 1960 -


2.12.2019

 FROM CAMP TO CAMPUS - Franz Wanner 10 min 2019

Unter der Bezeichnung Luftfahrtforschungsanstalt installierte das NS-Regime südlich von München ein Rüstungszentrum, zu dessen Bau Zwangsarbeiter/innen eingesetzt wurden. Bis heute wird dort militärisch produziert. 2013 wurde der Komplex nach dem NS-Ingenieur Ludwig-Bölkow benannt und als Campus ausgewiesen. Während die baulichen Dokumente des früheren Gefangenenlagers bereinigt werden, etabliert die bayerische Staatsregierung am Ort der früheren Zwangsarbeit ihre Luft- und Raumfahrtstrategie Bavaria One.

 END OF THE LINE: SEESHAUPT - Walter Steffen 94 min 2017

April 1945: Die Leitung des KZ-Außenlagers Mühldorf traf die Entscheidung, das Lager zu räumen. Knapp 4000 Lagerinsassen wurden in Güterwagen gepfercht und auf eine fünftägige Irrfahrt durch Oberbayern geschickt. Manche von ihnen konnten bei einem Zwischenstopp fliehen, viele starben während der Reise oder wurden von SS-Männern ermordet. Zeitzeugen berichten von ihren Erlebnissen.

 ORIGINALAUFNAHMEN - München 1945 und Befreiung des KZ Dachau

Zu sehen ist gekürztes, aber originales Filmmaterial der US-Army. Teilweise in Farbe - ohne Kommentar eines Sprechers oder später hinzugefügter Nachvertonung. München, die Nazi-'Hauptstadt der Bewegung' wird von den Amerikanern befreit. Die Bevölkerung empfängt ihre Befreier mehr oder minder jubelnd. Deutsche Wehrmacht- und SS-Soldaten werden gefangen genommen und durch die Stadt geführt. Das KZ Dachau wurde am 29. April 1945 von den alliierten Truppen befreit. Ein Moment des Umbruchs, in dem der Konflikt mit den Lagerbewachern und die Erleichterung der Gefangenen über ihre zurück gewonnene Freiheit besonders hervorsticht.


22.11.2019

 Marek Goldstein, Herbert B. Fredersdorf  : Lang ist der Weg (1948, 78min) nach einer Vorlage von Israel Beker

Der 1917 in Polen geborene Israel Beker gelangt als einziger Überlebender einer großen jüdischen Familie nach 1945 in ein Displaced Person-Lager in Landsberg. Dort schreibt er das Drehbuch zum halbautobiografischen Film "Lang ist der Weg" (1948) und spielt bei der Produktion selbst eine der Hauptrollen.

Der Film beginnt mit dem Überfall auf Polen am 01.09.1939 und begleitet das Schicksal der Familie Jelin von dem Augenblick an, an dem sie aus ihrer Warschauer Wohnung ins Ghetto vertrieben wird, bis ins Chaos der Nachkriegszeit und der Gegenwart der DP-Lager. Dabei werden fiktive Spielfilmszenen mit dokumentarischen Aufnahmen aus Militärarchiven sowie Originalfilmdokumente des 2. Jüdischen Kongresses der befreiten Juden der amerikanischen Besatzungszone kombiniert.

infos zur filmmusik (ab S.121)


18.11.2019

 Yael Hersonski  : Geheimsache Ghettofilm / Shtikat Haarchion / A Film Unfinished (2010, 90mins)

Geheimsache Ghettofilm ist ein deutsch-israelischer Dokumentarfilm von Yael Hersonski aus dem Jahr 2009 über wiedergefundenes original Nazi-Propaganda-Filmmaterial von 1942. Die Aufnahmen entstanden im Warschauer Ghetto, 2 Monate vor Beginn der Deportationen in die Vernichtungslager. Der originale Propagandafilm wurde nie fertiggestellt.

Hersonski gestaltet einen Dokumentarfilm, durch den die unvertonten und nicht betitelten Propagandaaufnahmen sowohl von Zeitzeugen und Aussagen aus Tagebüchern, als auch von Protokollen von Befragungen kommentiert werden. Der Film setzt sich mit den teils verstörenden und grausamen Propagandaaufnahmen auseinander und offenbart, wie gestellt und inszeniert die Bilder wirklich sind. Außerdem problematisiert er die unkritische Weiterverwendung der inszenierten Bilder, deren Authentizität immer im historisch-politischen Zusammenhang betrachtet werden muss.

 Roberta Grossman :  Das Geheimarchiv im Warschauer Ghetto (2018, 95mins)

Der Dokumentarfilm "Das Geheimarchiv Warschauer Ghetto", dessen Orginaltitel eigentlich "Who will write our History" ist, wird aus der Perspektive der Warschauer Journalistin Rachel Auerbach erzählt. Zusammen mit Emanuel Ringelblum und weiteren Bewohnern des Warschauer Ghettos gründeten sie das Geheimarchiv "Oyneg Shabbes" und dokumentierten ihre Lebzeit im Warschauer Ghetto durch Tagebücher, Fotos, etc. Roberta Grossmann produzierte diesen Film, welcher im Jahr 2018 erschien.


 11.11.2019

 Wanda Jakubowska : Die Letzte Etappe / The Last Stage / Ostatni etap

Die letzte Etappe ist ein polnischer Spielfilm aus dem Jahre 1947. Es ist der erste Spielfilm der Dokumentarfilmerin Wanda Jakubowska und der erste Spielfilm der Filmgeschichte, der das Leben im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau zum Thema hat. Wanda Jakubowska überlebte in Auschwitz eine mehrjährige Haft bis zur Befreiung durch die Rote Armee. Das Drehbuch basiert auf ihren Erlebnissen und denen anderer Frauen.

Der Film zeichnet sich durch hohe Authentizität aus. Die Verflechtung von Szenen von Wanda Jakubowska und dokumentarischem Filmmaterial der Roten Armee von der Befreiung des KZ Auschwitz, wirkt der Film bedrückend realistisch. Für die Dreharbeiten wurden die Originalschauplätze im KZ verwendet, zum Teil auch ehemalige Häftlinge als Schauspieler in das Projekt involviert. Das Drehbuch, das neben Wanda Jakubowska von Gerda Schneider verfasst worden ist, lässt sich von Schicksalen realer Insassen inspirieren. Durch die Protagonistin Marta Weiss begleitet man Mala Zimetbaum und ihr vom Widerstand geprägtes Leben. Nach ihrer Einweisung als polnische Jüdin in das Konzentrationslager findet sie sich in einer Widerstandsgruppe. Über mehrere Handlungsstränge wird vom Kampf gegen Tortur und Erniedrigung der Häftlinge durch KZ Personal und rekrutierte Insassen berichtet.

  • PDF Marek Haltof Screening Auschwitz. wanda jakubowska’s the last stage and the politics of commemoration
  • PDF Hanno Loewy A Mother of all Holocaust Films? Wanda Jakubowska's Auschwitz trilogy
  • PDF Magdalena Saryusz-Wolska Der erste Holocaust Spielfilm

4.11.2019

"Als ich auf die Welt kam, fiel ich auf ein Schlachtfeld…"

In „DEUTSCHLAND, BLEICHE MUTTER“ (von 1980) schildert Helma Sanders-Brahms aus der Perspektive des Kindes das Leben ihrer Mutter sowohl im NS-Regime, als auch in der Kriegs- und Nachkriegszeit.

Die Vermittlung zwischen Mutter und Kind ist die zentrale inhaltliche und formale Thematik des Films: "Deutschland, bleiche Mutter" verfolgt die Frage, was die Elterngeneration an die Nachfolgenden weitergibt, von ihren Erfahrungen, auch als Mitschuldige, und ihrem Wissen, ihren Traumata und soziokulturellen Prägungen.

Der Film rückt die alltäglichen Erfahrungen von Frauen ins Zentrum und zeigt die Entwicklung einer immer unabhängiger werdenden Mutter, die sich nach Kriegsende wieder in patriarchalen Strukturen unterordnen lässt und der die Verdrängung des Krieges ins Gesicht geschrieben steht.

Die Widmung am Ende des Films wendet sich an die Mutter und Tochter der Drehbuchautorin/ Regisseurin und schafft somit eine Brücke zwischen den Generationen, einen Dialog mit der Vergangenheit, der in die Zukunft reicht.

O Deutschland, bleiche Mutter!
Wie haben deine Söhne dich zugerichtet
Daß du unter den Völkern sitzest
Ein Gespött oder eine Furcht!
-B. Brecht-


29.10.2019

 Die Verwandlung des guten Nachbarn D.2002, 85min
Regie: Peter Nestler; in Zusammenarbeit mit Thomas (Toivi) Blatt

Thomas (Toivi) Blatt wurde in einem polnischen Dorf geboren, ist nach Amerika emigriert und besucht mit P. Nestler und der Kamera die Orte von damals. Er erzählt seine Geschichte, die Geschichte eines Jungen, dessen Umgebung sich radikal, gegen ihre Mitmenschen richtet. Bis hin zu einem Vernichtungslager wie Sobibor.

  • Aktion Reinhardt ist ein Tarnname für die systematische Ermordung aller Juden und Roma des deutsch besetzten Polen und der Ukraine in der Zeit des Nationalsozialismus. Zwischen Juli 1942 und Oktober 1943 wurden etwa 1,6 bis 1,8 Millionen Juden sowie rund 50.000 Roma in den drei Vernichtungslagern Belzec, Sobibor und Treblinka ermordet.
  • Das Vernichtungslager Sobibor war ein deutsches Vernichtungslager, es wurden nach Schätzungen bis zu 250.000 Juden in Gaskammern ermordet, darunter alleine vermutlich 33.000 aus den Niederlanden.
  • Der Aufstand von Sobibór von etwa 600 Häftlingen fand am 14. Oktober 1943 im deutschen Vernichtungslager Sobibor im besetzten Polen statt. Es war der zweite, zum Teil erfolgreiche Aufstand der jüdischen Gefangenen gegen die SS in einem Vernichtungslager nach dem Aufstand von Treblinka. Nach diesem Aufstand nutzte die SS das Vernichtungslager nicht weiter, sondern ebnete es ein. Zur Vertuschung der Verbrechen wurde auf dem Lagergelände ein unverdächtig aussehender Bauernhof angelegt und ein Wald gepflanzt.
  • Thomas Blatt Zeuge im Demjanuk Prozess

21.10.2019

Die halbstündige essayistische Dokumentation „Nacht und Nebel“ des französischen Regisseurs Alain Resnais gilt als eine der wichtigsten KZ-Dokumentationen überhaupt. Sie veranschaulicht anhand von Archiv-, Foto- und Filmmaterial die Entstehung der Konzentrationslager, Lageralltag, gezielte Vernichtung, Überlebensstrategien bis zur Befreiung durch die Alliierten.

Alain Resnais hatte von Anfang an darauf bestanden, den Film mit dem Schriftsteller, Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus und ehemaligen Häftling des KZ Mauthausen-Gusen Jean Cayrol zu drehen. Dieser hatte 1945 eine Gedichtsammlung unter dem Titel Poemes de Nuit et brouillard (ins Deutsche übersetzt: Nacht und Nebel) herausgegeben, in denen er seine Zeit in der Résistance und im KZ verarbeitete. Cayrol schrieb das Drehbuch, verfasste und sprach die Texte. In der deutschen Fassung war Paul Celan für die Texte verantwortlich. Im Film verwandte Resnais Wochenschaudokumente der Alliierten von der Befreiung von Auschwitz und anderer KZ. Zusätzlich unternahm er eine Reise nach Auschwitz und drehte mit seinem Kameramann Sacha Vierny Aufnahmen in Farbe, um sie mit den Schwarzweißaufnahmen der Wochenschauen zu kontrastieren. Sie nahmen den verfallenden Zaun und die maroden Gebäude auf. „Sie filmten das Gras, das nun zwischen den Gleisen wuchs, den verrosteten Stacheldraht der Elektrozäune, die Risse in den Betonmauern der Gaskammern und vor allem die zu regelrechten Bergen aufgehäuften Schuhe und Brillen der Ermordeten – darunter auch die Berge der Haare, die man ihnen abgeschnitten hatte, um Filzdecken daraus zu fertigen. Diese Bilder machten möglich, was keiner Einbildungskraft vorher gelungen war: sich den Tod von Millionen Menschen vorzustellen. Die Bilder der Leichenberge hatten die Zuschauer sprach- und fassungslos gemacht, die Bilder der Berge von Brillengestellen dagegen berührten sie.“

Wenige Monate nach seiner Uraufführung in Cannes kam der Film auch nach Deutschland. In der deutschen Öffentlichkeit wurde er bereits schon vorher aufgrund eines Zensurskandals bekannt. Die bundesrepublikanische Regierung hatte erfolgreich seine Teilnahme am Wettbewerb der Internationalen Filmfestspiele in Cannes im Jahr 1956 verhindert. Auf eine Anfrage der SPD-Bundestagsabgeordneten Annemarie Renger im Deutschen Bundestag am 18. April 1956 gab dazu der Vertreter des Bundesinnenministeriums als Begründung an, dass die Aufführung des Films in Cannes dazu beitragen könne, den durch die nationalsozialistischen Verbrechen „erzeugten Hass gegen das Deutsche Volk in seiner Gesamtheit wieder zu beleben“.




15.7.2019

 Vorfilm: Episode aus PAISA (20 Min, 1945) von Roberto Rosselini 

 EIN BESONDERER TAG von Ettore Scola, 105 Min, 1977 (IT/CA)

The film covers the activities of a single day, May 6, 1938, when Adolf Hitler and his chiefs of staff came to Rome to pay a state visit to Benito Mussolini. Despite this rather grandiose premise, the film is deliberately set on a small scale, with just three major characters – Antonietta (Sophia Loren), a housewife married to Emanuele, a minor fascist party functionary, and their neighbor Gabriele (Marcello Mastroianni), a radio announcer who has been fired from his state-sponsored post. Much of the film's themes revolve around gender roles and the model of masculinity under fascist Italy.

Handlung:

Der Film spielt in der italienischen Hauptstadt Rom. Es ist der 6. Mai 1938, der Tag, an dem während des Staatsbesuches Hitlers in Rom vom 3. bis 9. Mai 1938 eine große Parade zu Ehren von Adolf Hitler und dem Benito Mussolini stattfindet. In einem Appartementkomplex lebt das Ehepaar Emanuele und Antonietta mit sechs Kindern. Der Vater geht mit den Kindern in die Stadt, um der Parade beizuwohnen. Antonietta bleibt zu Hause, um den Haushalt zu machen; ihr entfliegt der von der Familie geliebte Vogel. In der Wohnung gegenüber, vor der sich der Vogel niedergelassen hat, sitzt ein Mann: Gabriele – der kurz davor war, sich eine Kugel in den Kopf zu schießen – hilft Antonietta, den Vogel wieder einzufangen…

  • https://www.criterion.com/current/posts/3745-a-special-day-small-victories
    • Much of the film's themes revolve around gender roles and the model of masculinity under fascist Italy. Antonietta is the donna madre, a mother figure who meets her feminine responsibilities in the regime by having six children, boasting one more will secure her the government bonus established for large families in 1933. The Fascist regime equates homosexuality with depopulation, and thus, Gabriele is suspected of treason. The bachelor tax of 1926 was a measure against this, and Gabriele has to pay it. While the stay-at-home mother and homosexual neighbor would seem to be an improbable pairing, both are minimized by the regime, and find comfort and some sympathy in each other. At the end of the film, domestic life will continue as usual, but "inner resistance" to Fascism has been awakened.
    • Production: Maurizio Costanzo, Ruggero Maccari and Ettore Scola wrote the screenplay, after Maccari had learned about an incident in Fascist Italy in which homosexuals were arrested and taken to Sardinia. Particularly, the story of broadcaster Nunzio Filogamo was an inspiration to the story, as Filogamo always had to carry a certificate stating he was not homosexual.
    • The actors selected for the roles defied type casting, as Marcello Mastroianni was often seen in previous roles as "the prototype of the Italian Latin lover," and Sophia Loren was perceived as a sexy Italian celebrity. Along with Il bell'Antonio and I Don't Want to Talk About It, this is one of Mastroianni's roles critiquing the Italian masculine figure as the incompetent character falling behind an evolving society.
    • A number of unusual cinematic techniques are used in this film. A long take scene introduces Antonietta and her family: the camera enters through the kitchen window and moves into the rooms.Deep focus is utilized in a scene in which the camera is in Antonietta's room with her in the frame, and through a distant window Gabriele can simultaneously be seen moving in his house in the same frame.

8.7.2019

 NICHT VERSÖHNT oder Es hilft nur Gewalt, wo Gewalt herrscht von Danièle Huillet und Jean-Marie Straub, 52 Min., BRD, 1964/65

"Nicht versöhnt" (Not Reconciled) is the second movie made by director duo Straub/Huillet. Based on Heinrich Böll's novel "Billiard um halbzehn" (Billiards at Half-Past Nine) from 1959, it is one of the first German films to openly address the continuation of the National Socialist mindset and set of characters into the Federal Republic of the 1960s. Straub/Huillet's film breaks with the rather conventional plot of Böll's book and tells the story of a Cologne-based family from the time of WWI through the 1960s, foregoing cinematic conventions which traditionally partition time periods in narrative film. This subtraction places the emphasis on historical continuity (of fascism) rather than on narrative continuity.

  • https://mubi.com/notebook/posts/a-straub-huillet-companion-not-reconciled-or-only-violence-helps-where-violence-rules
  • https://worldscinema.org/2019/07/jean-marie-straub-nicht-versohnt-oder-es-hilft-nur-gewalt-wo-gewalt-herrscht-aka-not-reconciled-1965
    • The least that can be said to explain why the films of Straub and Huillet are so important is that they embody the most rigorous practice in cinema of playing fair with one's materials: texts, actors, elements, landscapes, buildings. That means: letting the living live, letting what once lived, speak. What once lived: what was once intended, what was once thought within a network of links with its own time and with the more or less distant past (the connections from Brecht to Caesar, from Hölderlin to Empedocles, from Pavese to the ancient gods of Italy, from Schönberg to Moses and Aaron). Letting what once lived, speak and appear, somewhere. People and things may not be in their place, but they are in a place. [...] In Not Reconciled (1965), it's already clear, this attitude, or discipline, that makes it happen that the filmmakers place themselves in front of people, in the midst of reality, in such a way that people and reality do not give up to the camera. The people are always looking out of the frame, they are always escaping, out of allegiance to this system that Straub-Huillet's Brechtian cinema constructs and displays, whereby the actor remains in his/her own skin even while adopting the garb of another: without claiming, falsely, to be at home in this garb. (No pretended intimacy in their films, no false traffic with the inner life of people; what is discussed is public life, politics, work, genetic life, the activity of peoples and races....) What Straub-Huillet add to Brecht is cinema: the route through the real or the escape of the real through the real, at the moment of being filmed.
      —Chris Fujiwara, “Resistance,” FIRPRESCI Undercurrent, issue 3, 2006

 1.7.2019

 THE WAR IS OVER by Alain Resnais 122 min, Französisch-Schwedische Produktion 1966

Mit den Filmen "Hiroshima, mon amour" und "Letztes Jahr in Marienbad“ hat sich der Regisseur Alain Resnais auf eine Entdeckungsreise durch das Unbewusste begeben. Sein vierter Spielfilm "Der Krieg ist vorbei“ ist hingegen ein rasanter Thriller, der in seiner scheinbaren Einfachheit auf Kriegsfuß mit der Realität. Er fächert bei genauerem Hinsehen gesellschaftliche wie zeitgeschichtliche Probleme auf. Selten wurde Zeitgeschichte so gekonnt mit Persönlichem verschaltet.

"La Guerre est finie" erzählt von einem spanischen Revolutionär, der in Frankreich gegen das Franco-Regime kämpft. Dabei stellt sich auch die Frage nach seiner Identität, die vor allem über die Liebe zu Marianne (sic!) verhandelt wird. Der Bezug zu seiner spanischen Heimat ist für ihn als exilierter Republikaner zunehmend problematisch und beeinflusst sein Handeln. Sein Traum, zurückzukehren und den Kampf gegen den Faschismus zu gewinnen, geht sukzessive verloren.

Auch der Filmtitel ist ambivalent. Welcher Krieg ist gemeint? Im Untergrund findet er gegen den Faschismus noch statt. Selbst 30 Jahre nach dem Ende des Spanischen Bürgerkriegs arbeitet Diego gegen das Franco-Regime. Der Kampf im Exil scheint unendlich, sofern das Exil nicht als Heimat akzeptiert werden kann. Im Kontrast zu Diegos Berufung steht sein privates Glück. Besonders hier wird die Stilistik und formelle Innovation sichtbar, die Resnais stets ausgezeichnet hat.

  • der studentische filmkreis der tu darmstadt, schreibt in ihrem programmheft im WS 1968/1969: An diesem Punkte weitet sich denn Resnais Absicht auch über das konkrete Porträt eines desillusionierten Revolutionärs hinaus. Was dieser Film als Schlachtfeld meint, ist unser menschliches Leben schlechthin in dieser Gegenwart des totalen und rasenden Umbruchs aller feststehenden Werte und aller verläßlichen Fixpunkte. Die Krise Carlos’ wird zu einem großartig geschauten Protokoll der männlichen Vitalitätsproblematik überhaupt. Am Übergang vom vierten ins fünfte Lebensjahrzehnt vollzieht sich hier stellvertretend die grausame Gewißheit, daß die Dinge ihren Lauf genommen, sich verändert, uns in so vielem im unerfüllten, idealistischen Glauben zurückgelassen haben. Der Kampf hat keine Sicherheit gebracht, die hier für Carlos vorerst als äußerlicher Mangel evident wird und die doch eigentlich seine nie gewonnene innere Stabilität symbolisiert. Das Verstehen (hier in der politischen Diskussion um das Pro und Kontra eines Generalstreikplanes konkretisiert) ist dem alternden Intellektuellen zum schmerzlich empfundenen Vakuum geworden.

 Alain Resnais : Hiroshima mon amour F 1959, 90 min

Ursprünglich wollte Resnais eine Dokumentation über Hiroshima und die Atombombe erstellen – er beschloss jedoch, daraus seinen ersten Spielfilm zu machen. Hierfür verfasste die Schriftstellerin Marguerite Duras das Drehbuch. Gedreht wurde an den Originalschauplätzen Hiroshima und Nevers.

Hiroshima mon amour ist eine Parabel auf die Liebe und ihre Zerbrechlichkeit vor dem Hintergrund einer unsagbaren menschlichen Katastrophe. Der Bewältigung der Kriegserlebnisse stehen Momente der Intimität gegenüber. Nicht die Geschehnisse des Krieges selbst werden betrachtet, sondern wie sie sich im Bewusstsein der Menschen spiegeln und das Vergessen unmöglich machen.

Handlung:

Eine verheiratete französische Schauspielerin und ein japanischer Architekt lernen sich bei Filmaufnahmen in Hiroshima kennen und verbringen zwei Nächte miteinander. In immer eindringlicheren Bildern erzählt die Schauspielerin dem Fremden von ihrer Jugend in Nevers und der ersten großen Liebe zu einem deutschen Besatzungssoldaten, während des Zweiten Weltkriegs, der sie an ihren japanischen Liebhaber erinnert. Dieser Soldat wurde jedoch von einem Résistance-Mitglied erschossen und die Schauspielerin wurde als Kollaborateurin des deutschen Reiches beschimpft, was eine Flucht der Hauptdarstellerin nach Paris zur folge hatte…


 17 Juni 2017
 Sein oder Nicht sein von Ernst Lubitsch (D 1942, 90 min)

Im Kriegsjahr 1942 kam der vom, bereits 1922 aus Deutschland in die USA emigrierten Regisseur Ernst Lubitsch gedrehte Spielfilm „Sein oder Nicht Sein“ („To be or not to be“) in die amerikanischen Kinos. Der Film löste eine Kontroverse darüber aus, ob Witz und Humor geeignete Mittel sein können, um sich kritisch mit dem Nationalsozialismus auseinanderzusetzen. Zwei Jahre nach Chaplins „Der große Diktator“, wirkten neben den amerikanischen Hauptdarstellern, mehrere vor den Nazis geflohene Schauspieler in Nebenrollen mit.

Die Handlung: Die Betreiber und Schauspieler eines Warschauer Theaters proben 1939, kurz vor dem Ausbruch des 2. Weltkriegs, eine antifaschistische Komödie, die auf Druck der eigenen Regierung abgesetzt wird. Im weiteren turbulenten Verlauf des Films setzen sie all ihre dramaturgischen und schauspielerischen Fähigkeiten ein, um zu verhindern, dass eine schwarze Liste polnischer Widerstandskämpfer in die Hände der nationalsozialistischen Besatzer fällt.

"Ich gebe zu, dass ich die Nazis nicht so dargestellt habe, wie das Filme, Romane und Stücke sonst tun, wenn sie Naziterror zeigen. Keine Folterkammer, keine Auspeitschung", schrieb Lubitsch damals zu seiner Verteidigung. "Meine Nazis sind anders: Sie sind längst über diese Stufe hinaus. Brutalität, Auspeitschen und Tortur sind ihre Alltagsroutine. Sie reden darüber wie ein Geschäftsmann über den Verkauf einer Handtasche. Sie machen ihre Witze über das KZ und die Leiden ihrer Opfer."

Mit im Rückblick geradezu unfassbarem Scharfsinn erfasst "Sein oder Nichtsein" zugleich das Theaterhafte, ja Theatralische, im innersten Wesen der NS-Terrordiktatur. Das Vexierspiel um echte und falsche Bärte, Agenten, SS-Männer und Führer führt zu einer ständigen Verdoppelung und Spiegelung aller Figuren. Als der Regisseur bei den Gestapo-Proben bemängelt, er finde Bronski nicht überzeugend, weil er nur wie "ein Mann mit einem kleinen Schnurrbart" wirke, kontert der Maskenbildner: "Aber das ist Hitler doch auch nur." Auch die Nazis spielen Theater – und zwar der schmierigsten, wirkungsvollsten Art.

Das NS-Regime war eines, das sich durch hemmungslos triumphale Ausstattung, Dramaturgie und Inszenierung seine eigene verführerische Wirklichkeit und Bedeutung schuf, wie sich etwa an Leni Riefenstahls Film "Triumph des Willens" (1935) studieren lässt. Doch anders als in der harmlosen Bühnenwelt ist eine solche Theatralik in der Wirklichkeit nicht nur lächerlich und unangemessen, sondern wird zu einer tödlichen Bedrohung für alle, die in dieser Inszenierung als Opfer vorgesehen sind. Der wohl berühmteste – und umstrittenste – Satz des Films zeigt gerade diesen Unterschied auf: "Was der mit Shakespeare gemacht hat", sagt Gruppenführer Ehrhardt über Joseph Tura, "das machen wir heute mit Polen."

Darum ist es nur folgerichtig, dass es ausgerechnet Schauspieler sind, welche das Nazi-Theater ins Wanken bringen.


 3. Juni
 Ein Vorfilm aus Postkarten zu Magnus Hirschfelds Institut für Sexualwissenschaft

--

Hauptfilm

 Rüdiger Sünner: Schwarze Sonne Schwarze Sonne - Kultorte und Esoterik des III. Reichs (D 1997, 90 min.)

Mythologische Hintergründe des Nationalsozialismus

Der essayistische Dokumentarfilm behandelt die Beziehung von Mythos und Herrschaft, Esoterik und Macht im "Dritten Reich". Der Film beleuchtet den Einfluß von esoterischen Weltbildern und Mythen, die bereits am Ende des 19. Jh. in Deutschland und Österreich weit verbreitet waren, auf die NS-Ideologie.

Die Nationalsozialisten verstanden sich als das "arische Licht", das gegen die "jüdisch-bolschewistische Finsternis" antrat. Dabei bedienten sie sich vorchristlicher Symbole, vor allem germanischer Runen und keltischer Kultorte wie den Externsteinen. Alles diente dem Versuch, sich eine mythische Legitimation für die beanspruchte Führungsrolle zu verschaffen.

Der Film ist eine chronologische Reise zu den Ursprüngen der Nazi-Ideologie und sucht zahlreiche "Kultorte" auf. Bild- und Archivmaterial beleuchtet die Verflechtung von Esoterik, Mythologie und Rassismus. Fachleute und Zeitzeugen ergänzen diese visuelle Reise in den Bizarrsten Untergrund abendländischer Geschichte

Rüdiger Sünners Film ist der allzu vorsichtige Versuch der Erhellung der "Mythologischen Hintergründe des Nationalsozialismus" mit Hilfe interessierter Fragen und ohne Antworten. Er verabschiedet sich dabei von naturwissenschaftlichem, positivistischem, moderner Logik verpflichtetem Denken.


 27.Mai 2019

 Ich war neunzehn von Korad Wolf, DDR 1967, 115 mins

Im Stil fragmentierter Tagebucheinträge verfilmte Konrad Wolf 1968 seine Erfahrungen in der Roten Armee am Ende des II. Weltkriegs: Ein jugendlicher Blick auf ein historisches Ereignis.

Im März 1934, vierzehn Monate nach der nationalsozialistischen Machtübernahme in Deutschland, kam Konrad Wolf in die Sowjetunion. Er war neun Jahre alt und zweiter Sohn des Schriftstellers und Arztes Friedrich Wolf. Der Vater, ein engagierter, aus einer jüdischen Familie stammender Kommunist, hatte das Heimatland schon ein Jahr zuvor verlassen; nun waren ihm auch Frau und Kinder ins Exil nachgereist. 1936 erhielt Konrad Wolf die sowjetische Staatsbürgerschaft. 1943 trat er in die Rote Armee ein.

"Ich werde hinter euch her sein, bis ihr verreckt seid. Bis ihr begriffen habt, dass es damit vorbei ist, ein für allemal vorbei."


 20.Mai 2019

 Wie werde ich Demokrat? 89 min Regie: Dieter Reifarth D2002

„Hitler – weg! Hakenkreuze – verschwunden! Nazi-Propaganda – ausgeschaltet! Die Nazi-Partei scheint verschwunden. Aber das Nazi-Denken ist geblieben.“

TV-Spielfilm ordnet den Film in die Kategorie: Politikdoku über die "Re-Education"

8. Mai 1945: Nach zwölf Jahren Diktatur und fast sechs Jahren Krieg gilt Deutschland als "outlaw nation". Um den Deutschen Demokratie beizubringen, ersinnen die Alliierten die Umerziehungskampagne "Re-Education". Die Wochenschau "Welt im Film" spielt dabei eine tragende Rolle. Bis 1952 entstanden etwa 100 "Lehrfilme" wie zum Beispiel "Panzerfaust wird Küchengerät". Eine sehenswerte Zeitreise.

Von 1945 bis 1952 berichtet die amerikanisch-britische Wochenschau WELT IM FILM über Politik, Kultur und Alltag im Nachkriegsdeutschland. Gleichzeitig entstehen im Auftrag der Militärregierung in den westlichen Besatzungszonen etwa 100 Lehr-, Propaganda- und Dokumentarfilme. Diese Filme und die Wochenschau sind Teil einer Kampagne zur Umerziehung (Re-Education) der Deutschen und widmen sich der entscheidenden Frage: Wie werde ich Demokrat?

Der Kompilationsfilm WIE WERDE ICH DEMOKRAT? ist vollständig aus Originalmaterial montiert, das für sich selbst spricht, auf nachträgliche Kommentare wurde verzichtet. Dadurch ist ein authentisches, spannendes und facettenreiches Bild von Aufbruch und Neubeginn entstanden. Eine eigenwillige filmische Moritat darüber, wie aus Ruinen eine Demokratie erstand, wie aus einer »outlaw nation« ein moderner Verfassungsstaat wurde. Dieter Reifarth montierte aus Archivmaterial ein authentisches, spannendes und facettenreiches Bild von Aufbau und Neubeginn.


 13. Mai 2019

Willkommen, bienvenue, welcome!
Fremde, etranger, stranger.
Glücklich zu sehen, je suis enchante,
Happy to see you, bleibe, reste, stay.

CABARET ist ein Musical-Klassiker, der in Zeiten weltweit erstarkender nationalisitscher Strömungen neue Relevanz gewinnt - ein Lehrstück über die Gefahr politischer Teilnahmslosigkeit. Die Vorlage zum Film lieferte der autobiografische Roman "Goodbye to Berlin" (1939) von Christopher Isherwood. In vielen Einzelgeschichten schildert er einerseits ein ungeahnt offenes und freizügiges Berlin, aber auch den Wandel des Zeitgeists nach den Goldenen Zwanzigern und dem sich erhebenden Dritten Reich in den 30ern. Im Zentrum der Handlung steht die US-Sängerin Sally Bowles (Liza Minnelli), der gefeierte Star des Kit-Kat-Klubs - ein Cabaret, das mit grell-aufreizenden musikalischen Darbietungen gesellschaftskritische Themen komisch-unterhaltend darstellt.

Regie von Bob Fosse (1972, 124 Min) mit Liza Minnelli, Michael York, Helmut Griem, Fritz Wepper, Marisa Berenson und Joel Grey. Mit Musik von John Kander und Liedtexte von Fred Ebb.

A great movie musical. Taking its form from political cabaret, it’s a satire of temptations. We see the decadence as garish and sleazy; but it’s not just as a Brechtian backstage ‘meta’ filmusical that Cabaret impresses us, the literal germ of Fascism’s sentimental Utopian appeal is been lucidly demonstrated. As a parable or metonym for the rise of German Nazism, as a comedy of social and sexual manners, as a romantic drama involving widely divergent character types and sexual tastes.

For its Dystopian anti-filmusical-ness, for the ample bravura opportunities it presents, for its satirically cutting edginess, for its appeal to the festively corrupt (and corruptible) amongst us


 05. Mai 2019
 Letzte Wahl. (Wahlkampf 1932) von Ella Bergmann-Michel (D 1932/33, 13 min)

Horizontale und vertikale Formationen schreiten die Straßen entlang. Liste 1 und Liste 5, man ist sich einig und auch nicht. Das Volk wählt. Ella Bergmann-Michel wurde nach der Veröffentlichung kurzzeitig verhaftet, der Film verboten.

 Kuhle Wampe oder Wem gehört die Welt? Regie: Dudow Manuscript: Brecht, Ottwalt Musik: Eisler (D 1932, 74 min) von der Zensur freigegebene Fassung, Original lost

Aus der erdrückenden und aussichtslosen Lage in Berlin der 30er, flüchtet die Familie Böhnicke in eine Art Gartenkolonie, die Kuhle Wampe. Von dort fährt der Zug nach Berlin und die Menschen sitzen zusammen. Ein weiteres Ereignis und gesellschaftliche Pflichten zwingen die Akteurin zu handeln, das Leben wird eng. Aber doch, man kann sich entscheiden.


 29.April 2019
 Der Untertan von Wolfgang Staudte (DDR, 1951, 109 Min) nach einem Roman von Heinrich Mann (1914). 

Der Film beschreibt das nach Macht strebende Mitläufertum als typisch deutschen, preußischen Untertanengeist, der sich dadurch auszeichnet 'nach oben zu buckeln und nach unten treten'. 1950 erscheint 'The Authoritarian Personality' von Theodor W. Adorno und Else Frenkel-Brunswik, welches die Generationen der 1960er und 1970er stark beeinflusste (-> antiautoritäre Erziehung). Bereits 1941 entwickelte Erich Fromm die Grundzüge des autoritären Charakters ('Escape from Freedom'). Der fundamentale Zusammenhang zwischen autoritärer Triebunterdrückung und faschistischer Ideologie und die autoritär verfasste Familie als Keimzelle des autoritären Staates wurden von Wilhelm Reich anhand seiner psychoanalytisch-gesellschaftskritischen Auseinandersetzung mit Faschismus und Nationalsozialismus formuliert.

Im Film ist dieser Untertanengeist so gut beschrieben, dass er im Westen zuerst verboten und ungekürzt erst nach 20 Jahren zu sehen war. 'Der Spiegel' begründete das 1951 so: „Ein Paradebeispiel ostzonaler Filmpolitik: Man lässt einen politischen Kindskopf wie den verwirrten Pazifisten Staudte einen scheinbar unpolitischen Film drehen, der aber geeignet ist, in der westlichen Welt Stimmung gegen Deutschland und damit gegen die Aufrüstung der Bundesrepublik zu machen. Der Film lässt vollständig außer Acht, dass es in der ganzen preußischen Geschichte keinen Untertan gegeben hat, der so unfrei gewesen wäre wie die volkseigenen Menschen unter Stalins Gesinnungspolizei es samt und sonders sind.“

VOILÁ! Komm und Sieh!

  • Heinrich Mann : Der Untertan (Buch)
    • professor unrat (film -> blaue engel) 1905
    • der untertan (1912-1914) / vorabdruck in d wird zensiert und abgebrochen. 1915 erstveröff russland, 1916 privatausgabe d, 1918 d
  • Wolfgang Staudte 1906-1984 : Der Untertan (Film) / Trailer / PDF Bundeszentrale politische Bildung
    • 1944 Der Mann, dem man den Namen stahl / von nazis verboten wegen seitenhiebe auf bürokratie
    • 1946 die mörder sind unter uns /einer der ersten deutschen nachkriegsfilme, in den ruinen von berlin
    • 1948/1949 Rotation / mitläuferproblematik im 3. reich, sohn (strammer hitlerjunge) denunziert vater
    • 1951 Der Untertan / heinrich mann verfilmung. Staudte erhielt dafür den Nationalpreis der DDR. In der BRD wurde der Film als Angriff auf die Bundesrepublik gewertet und daher verboten, durfte nur in geschlossenen Veranstaltungen gezeigt werden und wurde erst 1957 in einer stark gekürzten Fassung freigegeben. Erst zwanzig Jahre später zeigte das westdeutsche Fernsehen den Film ungekürzt.
    • ab 1955 arbeitet Staudte in der BRD
    • 1959 Rosen für den Staatsanwalt / bissige Satire auf die Zustände in der bundesdeutschen Justiz der Adenauer-Ära eingeht.
    • 1962 dreigroschenoper / brecht
    • 1973 Tote brauchen keine Wohnung /massive Kritik vom Rundfunkrat an der „brutalen und menschenverachtenden Darstellung“ des Vermieters Pröpper (Walter Sedlmayr). Die Folge wurde daraufhin 19 Jahre lang bis 1992 für Wiederholungen gesperrt.
  • Die autoritäre Persönlichkeit (Sanford, Levinson, Frenkel-Brunswik, Institut für Sozialforschung, Adorno) und Der autoritäre Charakter (Reich/Fromm)
  • vergl dazu Brian Holmes : Der flexible Charakter the flexible personality


AUS GEGEBENEM ANLASS: ANTIFASCHISMUS IM FILM ist ein Seminar und Serie von Filmscreenings an der ADBK München, montags um 18h Neubau E_01_23

Ausgewählt und präsentiert von Studierenden der ADBK, Madeleine Bernstorff, Stephan Dillemuth, Gürsoy Dogtas, Karolin Meunier, Maria Muhle, Martin Schmidl, Stephanie Weber und Justin Lieberman, Tanja Widmann, Michaela Melián u.a.







Edit Page - Page History - Printable View - Recent Changes - WikiHelp - SearchWiki
Page last modified on February 11, 2020, at 11:50 AM