La Vie des Amis
In einer Großstadt im Herzen Europas

Aufruf zu einem Kollektivfilm hervorgegangen aus dem Seminar „Zeitgenossinnenschaft“

In Anlehnung an die gemeinsam gesehenen Filme…

  • Walther Ruttmann : Berlin Sinfonie der Grosstadt 1927
  • Dsiga Wertow (Vertov) : Der Mann mit der Kamera 1929
  • Edgar Ulmer - Billie Wilder - Robert Siodmak : Menschen am Sonntag 1929/30
  • Alexander Hammid born Alexandr Hackenschmied : Bezúčelná procházka (Spaziergang ins Blaue - Aimless Walk) 1930

…werden wir am Montag den 29. Juni von 00:00 bis 24:00 Uhr versuchen mit ähnlichen Mitteln die „Großstadt im Herzen von Europa“ (Zitat G7 Gipfel) zu begreifen. Unser Werkzeuge dafür sind Film und filmischer Text (siehe Irmgard Keun/ Neue Sachlichkeit)

Handlungsanweisung/Score_(als Stütze gedacht)

 TIER-WERDEN: Beschränkung auf drei Reize

„Es stimmt, ich bin faszieniert von Tieren wie Spinnen, Zecken, Läusen ... die zählen doch genauso wie Hunde und Katzen! (..) Was also fasziniert mich am Tier denn wirklich:(...) Das Erste, was mich beeindruckt, ist wohl die Tatsache, dass jedes Tier ene Welt hat. Das ist bemerkenswert, immerhin gibt es einen Haufen Leute, haufenweise Menschenwesen, die keine Welt haben. Sie leben ein Allerwetsleben, d.h. das Leben von egal wem, egal was. Die Tiere haben Welten. Und eine Tierwelt ist was? Ist mitunter außerordentlich beschränkt, und genau das bewegt mich. Tiere reagieren letztlich auf ganz wenige Dinge ... viellecht ist es mitunter die Armut dieser Welten, die Reduktion, der reduzierte Charakter dieser Welten, der mich so beeindruckt. zB sprachen wir gerade von so Tieren wie der Zecke ... Die Zecke antwortet oder reagiert auf drei Dinge, drei Reize mehr nicht... In einer unermesslichen Natur ...drei Reize und fertig. D.h., sie strebt zum äußersten Ende eines Zweiges, angezogen von Licht, sie kann oben auf diesem Zweig warten, jahrelang ohne zu fressen, ohne .. ohne alles, ganz reglos. Sie wartet darauf, dass ein Wiederkäuer, ein Pflanzenfresser, irgendein Vieh ... unter ihrem Zweig vorbeikommt, dann lässt sie sich fallen. Also eine Arte Geruchsreiz, sie riecht ... Die Zecke riecht das Vieh, dass unter ihrem Zweig vorbeikommt. Da hat man den zweiten Reiz, Licht und Geruch ... Und dann wenn sie sich auf den Rücken des armen Viehs fallen gelassen hat, sucht sie nach der am wenigsten behaarten Stelle ... - jetzt also ein Tastreiz - und sie bohrt sich unter die Haut. Der Rest ist ihr, wenn man so sagen darf, scheißegal, d.h.: In einer wimmelnden Natur, da selektiert, wählt sie ganze drei Dinge aus.“ (Gilles Deleuze L’Abecedaire)

 Bewaffnet mit der Kamera reduziert sich unsere Beobachtung am 29. auf drei Affekte:
  • Eating
  • Fucking
  • Killing (3 Affekte des Menschen nach Dan Mitchel)

Alle anderen Praktiken der Stadterkundung, die du kennst sind auf diesem Weg sicher hilfreich. (Derive, Flaneur, etc.)

 Ort/ Territorium_

Die Hauptstadt im Herzen Europas. Die Bilder lauern unter den Sohlen. Erstreunen wir die Realität der Stadt indem wir jeweils unser gewohntes Territorium verlassen und im gewählten Zeitfenster wieder in dieses zurückkehrst.

Das interessante an den Tieren ist dabei das Empfangen und Entsenden von Zeichen.

 Zeitloch_

Die 24 Montagsstunden werden in 4 Zeitlöcher geteilt.

 Frist/ Beschränkungen_

Sende deinen Beitrag, 2 bis 7 Minuten Filmmaterial (Bitte wenn nötig kleine Vorauswahl treffen) und 2 bis 7 Sätze (filmisch geschrieben)

Bis Dienstagabend 29.06. 23:00 Uhr.