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'Morfin' - Emmy Hennings

Wir warten auf ein letztes Abenteuer
Was kmmert uns der Sonnenschein?
Hochaufgetrmte Tage strzen ein
Unruhige Nchte - Gebet im Fegefeuer.

Wir lesen auch nicht mehr die Tagespost
Nur manchmal lcheln wir still in die Kissen,
Weil wir alles wissen, und gerissen
Fliegen wir hin und her im Fieberfrost.

Mgen Menschen eilen und streben
Heut fllt der Regen noch trber
Wir treiben haltlos durchs Leben
Und schlafen, verwirrt, hinber...


http://de.wikipedia.org/wiki/Emmy_Ball-Hennings

  • 1885 in Flensburg geboren
  • 1907 flieht sie aus ihrer langweiligen Ehe und tingelt mit einer Wanderbhne. Die Reisen fhren sie bis nach Schlesien. Bettelarm kommt sie schliesslich nach Mnchen.
  • In Mnchen schlgt sie sich, mittlerweile 27jhrig, als Aktmodell durch.
  • 1915, der Erste Weltkrieg war ausgebrochen, kommt sie mit ihrem Partner Hugo Ball von Mnchen nach Zrich.
  • 1916 grndet sie mit dem Dichter Hugo Ball das "Cabaret Voltaire". Erffnung am 3. Februar 1916.
  • 1920 kehrt sie fr einen kurzen Besuch nach Flensburg zurck.
  • 1927 stirbt ihr Mann Hugo Ball.
  • Sie reist durch Italien.
  • Im Tessin in der Nhe von Hermann Hesse lsst sie sich nieder.
  • 1948 stirbt Emmy Ball-Hennings.

gedichte:

links zu weiteren gedichten: http://www.litlinks.it/h/hennings_e.htm

gedicht von hesse, vergl zu den gedichten grsers

buch.download Emmy Hennings. Die letzte Freude. Leipzig: K. Wolff, 1913. http://sdrc.lib.uiowa.edu/dada/letzte_freude/index.htm

Emmy Hennings. Gefngnis. Berlin: Erich Reiss, 1919. http://sdrc.lib.uiowa.edu/dada/Gefangnis/index.htm


http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=1575&ausgabe=200009

"Wie bunt entfaltet sich mein Anderssein..." Ein Katalog ber die fast vergessene Schriftstellerin Emmy Ball Hennings Von Christine Kanz Besprochene Bcher ...

"Wie bunt entfaltet sich mein Anderssein..."

Ein Katalog ber die fast vergessene Schriftstellerin Emmy Ball Hennings

Von Christine Kanz

In den Literaturgeschichten wird ihr Name meist nur dann genannt, wenn es um ihren spteren Mann Hugo Ball geht, dessen Biographin sie nach seinem Tode wurde. Fr sich selbst reklamierte sie: "Ich bin so vielfach in den Nchten./ Ich steige aus den dunklen Schchten./ Wie bunt entfaltet sich mein Anderssein". Emmy Hennings gehrte in den ersten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts zur Boheme und hier zu den am meisten verehrten Frauen. "Fast alle Dichter jener Generation hat sie geliebt und inspiriert: Johannes R. Becher, Jakob van Hoddis, Georg Heym, Ferdinand Hardekopf, Erich Mhsam. Als 1916 in Zrich das Cabaret Voltaire aufging, war es die Chansonette Emmy Hennings, die das Publikum anzog und den mnnlichen Kollegen erst eigentlich das berleben ermglichte". So umreit Bernhard Echte, der Herausgeber des Katalogs anllich einer Ausstellung ber sie, die Bedeutung ihrer Person fr die expressionistische Bewegung. Emmy Hennings, spter: Emmy Ball Hennings, bte die unterschiedlichsten und kuriosesten Berufe aus, um sich ber Wasser zu halten. Unter anderem arbeitete sie als Schauspielerin in einer Wandertruppe, Hausiererin, Diseuse in Cafs und als Malermodell. Sie geno das Leben in vollen Zgen, nahm dabei aber auch zahlreiche Tiefschlge in Kauf. Sie war nicht nur "Muse und Geliebte junger Dichter, Drogenschtige, Gelegenheitsprostituierte", sondern ebenso Mitbegrnderin des Dadaismus und Schriftstellerin. Ab 1913 wurden Texte von ihr verffentlicht.

Fr die Publikation ihrer ersten Gedichte sorgte Franz Werfel als Lektor des Kurt Wolff-Verlags. Eher zufllig waren ihm einige ihrer Gedichte untergekommen, und er war von ihnen derart angetan, da er schrieb, "er sei gerhrt, [sie] auf der Welt zu wissen". Auf das Druckangebot reagiert die im Alltag so selbstbewute Hennings gem der ihr anerzogenen Geschlechterrolle: "Ich freute mich sehr, da die Gedichte gedruckt wurden. Weil ich nicht daran zu glauben wagte, da solche Freude sich wiederholen knne, gab ich dem schmalen Bndchen den Titel 'Die letzte Freude'". Ihre Reaktion bewies einen gewissen Realittssinn. Zwar gehrt sie mit Else Lasker-Schler und Claire Goll zu den Schriftstellerinnen der Avantgarde, denen zumindest etwas Aufmerksamkeit zuteil wurde, und auch spter noch wurden Texte von ihr gedruckt, so die Bcher "Das Gefngnis" (1919) und "Das Brandmal. Ein Tagebuch" (1920), ihre Gedichtbnde "Helle Nacht" (1922) und "Der Kranz" (1939), ihre autobiographischen Texte "Blume und Flamme. Geschichte einer Jugend" (1938, Neuauflage 1987 bei Suhrkamp) und "Das flchtige Spiel. Wege und Umwege einer Frau" (1940, Neuauflage 1988 bei Suhrkamp). Doch sucht man diese Titel heute vergeblich in Buchhandlungen, und auch in Bibliotheken sind sie kaum zu finden. Zu ihrem Nachla, dessen Sichtung erst vor kurzem begonnen wurde, gehren laut Bernhard Echte mehrere abgeschlossene, bislang unverffentlichte Buchmanuskripte sowie hunderte von informationsreichen Briefen. Da ein Groteil ihrer Texte "verstreut in Zeitschriften bzw. Zeitungen erschien", ist ihr Werk "bis heute noch nicht berblickbar".

In erotischer und moralischer Hinsicht war Hennings eine befreite Frau, die den Wechsel liebte, nachdem eine triste erste Ehe zu Ende gegangen war. Doch sprechen ihre Texte nicht nur von ihrem Erlebnishunger, sondern auch von dem Leid, das die 'Ware Liebe' mit sich bringt, von der Zerrissenheit und der Selbstentfremdung, die darin liegt. "Ich trage soviel fremdes Leid/Und wein' fr andre viele Trnen./ Ich fhle unbekanntes Sehnen/Und gebe fremde Zrtlichkeit", formulierte sie einmal. Ihre Gedichte, von denen Bernhard Echte mit Recht manche "zum Schnsten" zhlt, "was Frauen in diesem Jahrhundert geschrieben haben", hneln in der Diktion, im Stil, in der Thematik, gelegentlich bis ins Vokabular hinein frappierend denen Lasker-Schlers, mit der Hennings (wegen Rivalitten um Ferdinand Hardekopf) zunchst Ha, spter freundschaftliche Zuneigung verband.

Das in ihren Gedichten geuerte Leid fhrt Hennings explizit auf die Existenz als Frau zurck: "Ich bin eine Frau. Ich hebe die Kontrolle auf. Die Frage nach dem 'Warum' und 'Woher'./ Ich gestehe nur das 'Wie'. [...] ich bin gefallen", klagt sie in ihrem Tagebuch "Das Brandmal", und im selben Text offenbart sich auch ihr gebrochenes Verhltnis zur Lust und zur eigenen Weiblichkeit: "ich habe die Lust nicht erfunden. Ein so origineller und zugleich perfider Erfinder kann nicht weiblich gewesen sein. Die Frau ist keine Erfindernatur." Diese Geringschtzung des weiblichen Geschlechts ist charakteristisch fr viele Schriftstellerinnen und Schriftstelller der Boheme. So werden Franziska zu Reventlows Attacken gegen die zeitgenssische Frauenbewegung noch heute gerne von deren Gegnern zitiert.

Die Gesinnung des Umfeldes von Emmy Hennings trug mithin wenig zur Ausbildung eines stabilen geistigen Selbstbewutseins bei, und doch fhrte sie ein fr die damalige Zeit recht selbstbestimmtes Leben. Anders als Reventlow wre sie, die Tochter eines Werftarbeiters und einer Nherin, die nur sieben Jahre eine Schule besuchte, wohl nie in ein Pldoyer fr eine weibliche Lebensform des Luxus' verfallen. Ihre Emanzipiertheit beschrnkte sich nicht auf das Ausleben einer freien Sexualitt oder auf ein Pldoyer fr weiblichen Miggang. Whrend ihrer Ehejahre mit Ball unternahm sie alleine lange Reisen, die sie durch das Schreiben von Feuilletons finanzierte, und sie uerte sich immer auch politisch. So schreibt sie in einem 1. Mai-Gedicht von 1913: "Man schwingt die roten Fahnen,/Man ruft: 'mit uns der Sieg!'/Und mich erfllt ein Ahnen:/Es kommt der Krieg."

Reflektiert wie Emmy Hennings war, mute auch sie die Misogynie ihrer Zeit wahrnehmen. Gerade innerhalb der literarischen Boheme gehrte Frauenverachtung, nicht nur unter den mnnlichen Mitgliedern, gewissermaen zum guten Ton. Verklrt wurde sie von den Mnnern in ihrem Umkreis jedenfalls nicht aufgrund ihrer Texte, sondern, wie Erich Mhsam in seinem Tagebuch formulierte, als ein "erotisches Genie".

Emmy Ball Hennings: 1885-1948. "Ich bin so vielfach...". Texte, Bilder, Dokumente.

[anllich der gleichnamigen Ausstellung im Museum Strauhof Zrich: Mrz - Mai 1999]

Herausgegeben von Bernhard Echte.

Frankfurt a.M., Basel, Stroemfeld/Roter Stern Verlag 1999

296 Seiten, 68 DM.

ISBN 3-87877-757-4

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