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Die Täuferbewegung

Peter H. Uhlmann


INHALT:

 Die Schweizer Brüder
 Wie ein Lauffeuer von Tirol bis in die Niederlande
 Brüderliche Vereinigung etlicher Kinder Gottes, sieben Artikel betreffend (1527)
 Balthasar Hubmaier
 Die Hutterer
 Die Katastrophe von Münster
 Zum Ausdruck "Schwärmer"
 Ein Priester beginnt die Bibel zu lesen(Menno Simonis) 
 Protestantische Inquisition in Zürich und Bern
 Spaltungen
 Der Einbruch des Rationalismus
 Verweht in alle Winde
 Entstehung der Mennoniten Brüdergemeinden
 Kein Anschluss der Schweizer Täufer an den Réveil
 Die Aussenmission
 Die Verbreitung der Mennoniten
 Quellenangaben&Autor

Die Schweizer Brüder #Brüder

Die ältesten historisch belegbaren Quellen der Täuferbewegung finden wir in der Schweiz. Ihre Anfänge sind eng verknüpft mit der Geschichte der Reformation in Zürich. Um Zwingli entsteht anfangs der 20er Jahre ein Kreis von Personen, die "im Wort Gottes arbeiten"1. Zu diesem Kreis gehören reformatorisch gesinnte Personen, wie KONRAD GREBEL, FELIX MANTZ, der Buchhändler ANDREAS CASTELBERGER und der Priester LUDWIG HÄTZER. KONRAD GREBEL (geb. um 1498) entstammt einer Patrizierfamilie von Zürich. Sein Vater ist im Auftrag der Stadt Landvogt des Bezirks Grüningen. Konrad studiert an den Universitäten Basel, Wien und Paris, wo er sich humanistisch schulen lässt und im damaligen Zug der Zeit ein recht lockeres Leben führt. 1522 bekehrt sich Grebel durch Zwinglis reformatorische Bibelauslegung.

Die Gruppe um Grebel verlangt nach der ersten Disputation in Zürich (1523) eine rasche Verwirklichung des reformatorischen Gedankenguts und, entsprechend dem neutestamentlichen Vorbild, eine Trennung von Kirche und Staat. Zu dieser Gruppe gehört der ebenfalls humanistisch geschulte FELIX MANTZ, der Sohn eines Chorherrn (Priesters). Auch er steht zunächst Zwingli sehr nahe. Eine weitere Person, die sich den Täufern anschliesst ist GEORG BLAUROCK, ein ehemaliger Mönch aus dem Kanton Graubünden, der in Leipzig Theologie studiert hat. Im nahen Witikon (heute ein Stadtviertel Zürichs) predigt WILHELM RÖUBLI als erster katholischer Priester von der Kanzel gegen die Kindertaufe. Er ist der erste Pfarrer in der Schweiz, dessen Ehe gesetzlich anerkannt wird. Im nicht weit entfernten Zollikon eifert ein weiterer Priester, JOHANNES BRÖTLI, gegen die kirchlichen Taufsitten und hält in Privathäusern Bibelstunden. Beide Verkündiger suchen engen Kontakt mit der Gruppe um Grebel und Mantz. In einem Brief legen Grebel und seine Mitarbeiter die Gemeindeprinzipien dar: Nicht der Staat, sondern die Schrift und der Heilige Geist soll die Kirche regieren! Kirche und Staat sind darum zu trennen. Fernstehende sollen evangelisiert werden. Die biblische Kirche setzt sich aus den wahrhaft Gläubigen zusammen, die auf Grund ihres Glaubens getauft worden sind. Wörtlich schreibt Grebel: "Man soll auch das Evangelium und seine Anhänger nicht mit dem Schwert schirmen, und sie sollen es auch selbst nicht tun. ... Rechte gläubige Christen sind Schafe mitten unter den Wölfen, Schafe zum Schlachten, müssen in Angst und Not, Trübsal, Verfolgung, Leiden und Sterben getauft werden, sich in Feuer bewähren ... Auch gebrauchen sie weder weltliches Schwert noch Krieg. Denn bei ihnen ist das Töten ganz abgeschafft ..."2

Dieser Brief ist ein wichtiges Dokument freikirchlichen Gedankenguts. Im Frühjahr weigern sich gewisse Familien ihre Säuglinge zu taufen. Die Taufe wird damit zum Auslöser für das unterschiedliche Gemeindeverständnis. Der Name "Täuferbewegung" könnte suggerieren, dass die Taufe im Mittelpunkt der Bewegung stehen würde. Dies ist jedoch nicht der Fall. Vielmehr geht es um das neutestamentliche Gemeindeverständnis, das wiederum mit der Tauffrage gekoppelt ist und gegen das die Gegner zu Felde ziehen.

Im Januar 1525 zitiert der Rat alle Anhänger von Mantz und Grebel zu einer öffentlichen Aussprache ins Rathaus. Zwingli beschuldigt die Brüder, sie seien "in Engel des Lichts verkleidete Teufel". Der Ausgang der Disputation ist für die Täufer vernichtend. Der Rat verfügt, alle Neugeborenen seien wie bisher innerhalb von acht Tagen zu taufen. Dazu erlässt er ein Versammlungsverbot. Grebel und Mantz wird bewusst, wie aussichtslos es ist, Zwingli und die Zürcher Obrigkeit für eine Wiederherstellung des neutestamentlichen Gemeindeprinzips gewinnen zu können.

Die erste Versammlung findet am Samstagabend, den 21. Januar 1525 im Haus von Felix Mantz statt, das nur wenige Schritte vom Grossmünster entfernt in der Neustadtgasse liegt. Jörg Blaurock, ein ehemaliger Mönch aus dem Bündnerland, erhebt sich und bittet Konrad Grebel, ihn zu taufen. Dieser erfüllt Blaurocks Wunsch. Anschliessend tauft Blaurock die Versammlungsteilnehmer. Dies ist die Geburtsstunde der Täuferbewegung. Weil die Regierung die Anliegen der Täufer zurückweist, machen sie durch Proteste auf sich aufmerksam. So formieren sie sich in Zürich zu einem Umzug, wo sie Zwingli als antichristlichen Drachen darstellen.

In der folgenden Woche finden in verschiedenen Häusern von Zollikon Abendmahlsversammlungen statt. In diesen schlichten Zusammenkünften schlägt das Herz der jungen Gemeinde. Zur Einleitung liest ein Bruder einen Abendmahlstext aus dem neuen Testament und äussert dazu einige Gedanken. Wir müssen uns dabei vergegenwärtigen, dass die reformierten Pfarrer in den Kirchen immer noch das Abend-mahl in der römischkatholischen Form zelebrieren und der Gemeinde nur die Oblaten, nicht aber den Kelch geben. Hier in den Privathäusern jedoch brechen Laien gewöhnliches Brot und reichen einander den Kelch.

An einem Sonntagmorgen will Blaurock die Kanzel erobern, was durch den Pfarrer und den anwesenden Untervogt verhindert wird. Schon am Montag erscheinen die Stadtknechte in Zollikon und nehmen Blaurock, Mantz und alle in den letzten acht Tagen getauften Bauern gefangen; im ganzen sind es 27 Personen. Vor den Täufern liegt nun ein steiniger Weg der Verfolgung und Entbehrung.

Zwischen den verhafteten Gläubigen und Zwingli kommt es immer wieder zu Streitgesprächen. Eine der Schriften, die Zwingli gegen die Täufer geschrieben hat, heisst: "Von der Taufe, der Wiedertaufe und der Kindertaufe". Darin versucht er die Kindertaufe unter anderem mit der alttestamentlichen Beschneidung zu stützen. Diese Art der Bibelauslegung stösst begreiflicherweise bei den Täufern auf wenig Verständnis.

In Lachen am oberen Zürichsee fallen 1525 die ersten Todesurteile: BOLT EBERLI und ein ihm nahestehender Priester werden verbrannt. Konrad Grebel entweicht in die Ostschweiz, wo er in St. Gallen am Palmsonntag 1525 etwa 500 Personen auf ihren Glauben an Jesus Christus durch Untertauchen in der Sitter tauft. In Zürich wird am 5. Januar 1527 FELIX MANTZ ertränkt. Der Henker bindet Mantz Hände und Füsse, streift ihm die Arme über die Knie und steckt einen Knebel zwischen Arme und Schenkel hindurch. Mantz beginnt mit lauter Stimme in lateinischer Sprache zu singen: "In deine Hände, Vater, befehle ich meinen Geist; du hast mich erlöst, du Gott der Wahrheit". - Der Henker schiebt Mantz über den Bootsrand, nach einem dumpfen Aufschlag entschwindet der Leib in den eiskalten Fluten. Innerhalb von nur fünf Jahren erleiden fünf weitere Männer das gleiche Schicksal.

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Wie ein Lauffeuer von Tirol bis in die Niederlande

Die Täuferbewegung breitet sich nun wie ein Lauffeuer über die deutschsprachigen Länder bis in die Niederlande aus. Heinrich Bullinger, der Nachfolger Zwinglis, beklagt: "Die Leute rennen den Täufern nach, als ob sie lebendige Heilige wären". Aber es gibt auch schwärmerische Endzeitpropheten. HANS HUT (um 1490-1527) hat die Wiederkunft Jesu auf Pfingsten 1528 festgelegt hat. In einer rastlosen Missionstätigkeit zieht er umher und sammelt die 144 000 Auserwählten, die er mit einem Kreuz auf der Stirn kennzeichnet, damit sie im Endzeitkampf bestehen bleiben. 1527 treffen sich fast 60 Täufer zu einer Synode in Augsburg. Da in den kommenden Jahren fast alle Teilnehmer dieser Zusammenkunft hingerichtet werden, spricht man von der "Märtyrersynode". Einer der wichtigsten Punkte der Synode ist die Bekämpfung der schwärmerischen Auffassungen von Hut. Man verbietet ihm, seine schwärmerischen Lehren öffentlich vorzutragen; er darf nur noch Auskunft geben, wenn er persönlich gefragt wird. Hut selbst stirbt noch im selben Jahr in Augsburg durch einen von ihm entfachten Gefängnisbrand. Seine Anhänger in Coburg, Bamberg, Erlangen und in Nieder- und Oberösterreich werden bald aufgegriffen. Die überlebenden Anhänger schliessen sich den Täufern an.

In katholischen Gebieten beginnen die Scheiterhaufen zu lodern, in evangelischen Landstrichen werden die Täufer ertränkt oder geköpft. In Bern verurteilt die Regierung in vier Jahrzehnten mindestens 40 Gläubige zum Tod. In Linz werden in sechs Jahren 73 Menschen verbrannt. In Tirol beträgt die Zahl der bis 1531 Hingerichteten 1000. In Ensisheim im Elsass sind es 2000. Ein Graf in der Pfalz ruft aus, nachdem er 350 Täufer hingerichtet hat: "Was soll ich bloss tun? Je mehr ich töte, desto grösser wird ihre Zahl"! In Bayern sind die Bestimmungen besonders rigoros; die Herzöge verfügen: "Alle Wiedertäufer sind mit dem Tode zu bestrafen. wer widerruft, wird geköpft; wer nicht widerruft, wird verbrannt".3

Diese Todesurteile werden von der höchsten weltlichen Instanz sanktioniert: dem Kaiser und dem Reichstag. 1529 protestieren die Evangelischen auf dem Zweiten Reichstag zu Speyer vor Kaiser KARL V., weil sie ihre Glaubensfreiheit gefährdet sehen. Auf demselben Reichstag unterzeichnet der Kaiser mit Billigung auch der evangelischen Stände (!) ein Edikt, wonach sich bei Todesstrafe keiner, der als Säugling getauft worden ist, nochmals als Erwachsener auf seinen Glauben taufen lassen darf. Auch wenn sich Katholiken, Lutheraner und Reformierte arg befeinden und bekriegen, so sind sie sich in einem Punkt einig: in der Bekämpfung der Täufer. Diese werden zu recht- und schutzlosen Menschen. Die Beschlüsse bezüglich den Täufern bedeuten den legalisierten Mord an Zehntausenden von Menschen.

Im "Augsburger Bekenntnis" von 1530 werden die Täufer wegen ihrer Taufpraxis durch vier pauschale Aussagen verurteilt (Art. 9): "Es werden die Wiedertäufer verworfen, welche lehren, dass die Kindertaufe nicht recht sei". - Die Täufer wollen Gemeinde nach dem Neuen Testament bauen. Auf Grund ihrer Privilegien stemmen sich jedoch die Staatskirchen bis ins 19. Jh. gegen die Menschenrechte!4 Darum werden die Täufer als Staatsverbrecher, als tolle Schwarmgeister und Erzketzer abgestempelt. Ihr einziger "Fehler" war, dass sie dreieinhalb Jahrhunderte zu früh für die Religions-, Versammlungs- und Gewissensfreiheit eingetreten sind. Es ist eine unermessliche Tragik, dass sich Staat und Kirche mitten in Europa bis ins 19. Jh. gegen diese Menschenrechte gestemmt haben.

Mehrere Jahre vor Luthers Bibelübersetzung erscheint auf dem Büchermarkt eine Schrift mit folgendem Titel: "Alle Propheten nach hebräischer Sprache verdeutscht, von Ludwig Hätzer und Johannes Denk". Diese Schrift findet reissen-den Absatz; in wenigen Jahren werden 17 Auflagen gedruckt. Obwohl Luther dieser Übersetzung höchste Anerkennung zukommen lässt, wird diese Übersetzung teilweise verboten. Der Grund: Beide Übersetzer sind Täufer.

Der theologische Gelehrte und Rektor der Sebaldusschule in Nürnberg HANS DENK ist ein wichtiger Vorkämpfer der Glaubens- und Gewissensfreiheit und einer der bedeutendsten Vertreter eines undogmatischen Christentums, das in den Spiritualismus ausmündet. In Augsburg lässt er sich von Hubmaier taufen und leitet die dortige Gemeinde. Er wird vertrieben und übersetzt dann zusammen mit Hätzer in Worms die alttestamentlichen Propheten. Der erst 32jährige stirbt in Basel an der Pest.

LUDWIG HÄTZER, ein katholischer Kaplan von Zürich, wird Täufer und wirkt in Süddeutschland, in der Pfalz und im Elsass. Er wird aufgegriffen und 1529 hingerichtet und zwar, weil er einerseits Täufer und andererseits in Ehebruch gefallen ist. Noch auf dem Hinrichtungsplatz bittet er die Umstehenden um Vergebung für seine Sünden.

Inmitten aller Verfolgungen treffen sich anfangs 1527 Vertreter der schweizerischen, süddeutschen und österreichischen Täufergemeinden im Wald bei Schlatten am Randen im Kanton Schaffhausen. Unter der Leitung von MICHAEL SATTLER fassen sie ihre aus dem Neuen Testament gewonnene Erkenntnis zusammen. Die Gemeinden sollen durch diese sieben Schleitheimer Artikel innerlich gefestigt werden. Einmütig bekennen sich die Brüder zur Taufe der Gläubigen, zum Abendmahl, zur Gemeindezucht, zur Absonderung vom Bösen und zur Gewaltlosigkeit. Von den Hirten der Gemeinden wird gesagt, dass es standhafte Männer sein müssen. Sterben sie, sollen an ihrer Stelle neue Älteste eingesetzt werden, damit sich die Gemeinden nicht zerstreuen. Im letzten Artikel wird aufgeführt: Der Eid ist eine Befestigung unter denen, die zanken. Christus verbietet alles Zanken und das Schwören. Jedes Wort der Christen soll wahr sein (vgl. den Quellentext...)

Vor seiner Hinwendung zu den Täufern ist Michael Sattler (geb. ca. 1490) Prior des Benediktinerklosters St. Peter im Schwarzwald. In einer unruhigen Zeit gibt er den durch Verfolgungen und theologischen Spekulationen gefährdeten Täufergemeinden eine wichtige Orientierung. Er sucht einen Weg zwischen der Gewalt des Bauernkrieges (Thomas Müntzer), der obrigkeitlichen Reformation (Luther, Zwingli) und dem Spiritualismus (Hans Denk) und wird so biblischer Pazifist. Als Verfasser des Schleitheimer Bekenntnisses fällt Sattler für den süddeutschen Bereich ein ebenso wichtiger Platz zu, wie zwei bis drei Jahrzehnte später Menno Simons für den Norden. Bereits am 20. Mai 1527 wird Sattler in Rottenburg am Neckar auf grausame Weise umgebracht. Kurze Zeit später werden 900 weitere Gläubige in derselben Stadt in Asche verwandelt.

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Brüderliche Vereinigung etlicher Kinder Gottes, sieben Artikel betreffend (1527)

Liebe Brüder und Schwestern in dem Herrn!
Uns liegt zuerst und vor allem daran, Euch zu trösten und Euer Gewissen, das eine Weile verwirrt war, zu stärken, damit Ihr nicht für immer als Heiden von uns abgesondert und mit Recht fast ganz ausgeschlossen werdet, sondern Euch wieder den wahren, eingepflanzten Gliedern Christi, die mit Geduld und Erkenntnis Christi ausgerüstet werden ...
Es ist von einigen falschen Brüdern unter uns ein sehr grosses Ärgernis erregt worden. Es haben sich einige vom Glauben abgewandt, indem sie meinten, sie übten und gebrauchten die Freiheit des Geistes und Christi. Aber sie haben die Wahrheit verfehlt und haben sich (sich selbst zum Gericht) der Geilheit und Freiheit des Fleisches ergeben und haben gedacht, der Glaube und die Liebe könnten alles tun und dulden und nichts könne ihnen schaden oder verwerflich sein, weil sie doch gläubig seien....

1

Zum ersten merkt Euch über die Taufe: Die Taufe soll allen denen gegeben werden, die über die Busse und Änderung des Lebens belehrt worden sind und wahrhaftig glauben, dass ihre Sünden durch Christus hinweggenommen sind, und allen denen, die wandeln wollen in der Auferstehung Jesu Christi und mit ihm in den Tod begraben sein wollen, auf dass sie mit ihm auferstehen mögen, und allen denen, die es in solcher Meinung von uns begehren und von sich selbst aus fordern. Damit wird jede Kindertaufe ausgeschlossen, des Papstes höchster und erster Greuel. ...

2

Zum zweiten haben wir uns folgendermassen über den Bann geeinigt. Der Bann soll bei allen denen Anwendung finden, die sich dem Herrn ergeben haben, seinen Geboten nachzuwandeln, und bei allen denen, die in den einen Leib Christi getauft worden sind, sich Brüder oder Schwestern nennen lassen und doch zuweilen ausgleiten, in einen Irrtum und eine Sünde fallen und unversehens überrascht werden. Dieselben sollen zweimal heimlich ermahnt und beim dritten Mal öffentlich vor der ganzen Gemeinde zurechtgewiesen oder gebannt werden nach dem Befehl Christi (Mt. 18,15 ff.)...

3

Zum dritten, was das Brotbrechen anlangt, sind wir uns einig geworden und haben folgendes vereinbart: Alle, die ein Brot brechen wollen zum Gedächtnis des gebrochenen Leibes Christi, und alle, die von einem Trank trinken wollen zum Gedächtnis des vergossenen Blutes Christi, die sollen vorher vereinigt sein zu einem Leib Christi, das ist zur Gemeinde Gottes, an welcher Christus das Haupt ist, nämlich durch die Taufe. ...

4

Zum vierten haben wir uns über die Absonderung geeinigt. Sie soll geschehen von den Bösen und vom Argen, das der Teufel in der Welt gepflanzt hat, damit wir ja nicht Gemeinschaft mit ihnen haben und mit ihnen in Gemeinschaft mit ihren Greueln laufen. Das heisst, weil alle, die nicht in den Gehorsam des Glaubens getreten sind und die sich nicht mit Gott vereinigt haben, dass sie seinen Willen tun wollen, ein grosser Greuel vor Gott sind, so kann und mag nichts anderes aus ihnen wachsen oder entspringen als greuliche Dinge. ... Aus dem allen sollen wir lernen, dass alles, was nicht mit unserem Gott und mit Christus vereinigt ist, nichts anderes ist als die Greuel, die wir meiden und fliehen sollen. Damit sind gemeint alle päpstlichen und widerpäpstlichen Werke und Gottesdienste, Versammlungen, Kirchenbesuche, Weinhäuser, Bündnisse und Verträge des Unglaubens und anderes dergleichen mehr, was die Welt für hoch hält und was doch stracks wider den Befehl Gottes durchgeführt wird ...

5

Zum fünften haben wir uns über die Hirten in der Gemeinde folgendermassen geeinigt: Der Hirte in der Gemeinde Gottes soll ganz und gar nach der Ordnung von Paulus (1.Tim. 3,7) einer sein, der einen guten Leumund von denen hat, die ausserhalb des Glaubens sind. Sein Amt soll sein Lesen und Ermahnen und Lehren, Mahnen, Zurechtweisen, Bannen in der Gemeinde und allen Brüdern und Schwestern zur Besserung vorbeten, das Brot anfangen zu brechen und in allen Dingen des Leibes Christi achthaben, dass er gebaut und gebessert und dem Lästerer der Mund verstopft wird. Er soll aber von der Gemeinde, welche ihn erwählt hat, unterhalten werden, wenn er Mangel haben sollte. Denn wer dem Evangelium dient, soll auch davon leben, wie der Herr verordnet hat '1.Kor. 9,14'. Wenn aber ein Hirte etwas tun sollte, was der Zurechtweisung bedarf, soll mit ihm nur vor zwei oder drei Zeugen gehandelt werden. Und wenn sie sündigen, sollen sie vor allen zurechtgewiesen werden, damit die andern Furcht haben. Wenn aber dieser Hirte vertrieben oder durch das Kreuz zum Herrn hingeführt werden sollte, soll von Stund an ein anderer an seine Stelle verordnet werden, damit das Völklein und Häuflein Gottes nicht zerstört, sondern durch die Mahnung erhalten und getröstet wird.

6

Zum sechsten haben wir uns über das Schwert folgendermassen geeinigt: Das Schwert ist eine Gottesordnung ausserhalb der Vollkommenheit Christi. Es straft und tötet den Bösen und schützt und schirmt den Guten. Im Gesetz wird das Schwert über die Bösen zur Strafe und zum Tode verordnet. Es zu gebrauchen, sind die weltlichen Obrigkeiten eingesetzt. ... Nun wird von vielen, die den Willen Christi uns gegenüber nicht erkennen, gefragt, ob auch ein Christ das Schwert gegen den Bösen zum Schutz und Schirm des Guten und um der Liebe willen führen könne und solle. Die Antwort ist einmütig folgendermassen geoffenbart. Christus lehrt und befiehlt uns (Mt. 11,29), dass wir von ihm lernen sollen; denn er sei milde und von Herzen demütig, und so würden wir Ruhe finden für unsere Seelen. Zweitens wird wegen des Schwertes gefragt, ob ein Christ Urteil sprechen soll in weltlichem Zank und Streit, den die Ungläubigen mit einander haben. Die Antwort ist diese: Christus hat nicht entscheiden oder urteilen wollen zwischen Bruder und Bruder des Erbteils wegen, sondern hat sich dem widersetzt. So sollen wir es auch tun. Drittens wird des Schwertes halber gefragt, ob der Christ Obrigkeit sein soll, wenn er dazu gewählt wird. Dem wird so geantwortet: Christus sollte zum König gemacht werden, ist aber geflohen und hat die Ordnung seines Vaters nicht berücksichtigt. So sollen wir es auch tun und ihm nachlaufen. ... Das Regiment der Obrigkeit ist nach dem Fleisch, das der Christen nach dem Geist. Ihre Häuser und Wohnung sind mit dieser Welt verwachsen; die der Christen sind im Himmel.

7

Zum siebten haben wir uns über den Eid folgender massen geeinigt: Der Eid ist eine Bekräftigung unter denen, die zanken oder Versprechungen machen, und es ist im Gesetz befohlen, dass er im Namen Gottes allein wahrhaftig und nicht falsch geleistet werden soll. Christus, der die Erfüllung des Gesetzes lehrt, der verbietet den Seinen alles Schwören ...

zit. nach H. Fast, Der linke Flügel der Reformation

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BALTHASAR HUBMAIER (geb. vor 1485 in Friedberg) wird Student in Freiburg i.B., wo er von Johann Eck theologisch ausgebildet wird. In Ingolstadt promoviert er zum Doktor der Theologie und wird Leiter der Universität. 1516 wird er Domprediger von Regensburg. Auf seine Veranlassung hin werden die Juden nach 1518 aus der Stadt vertrieben. Auf dem Platz der Synagoge entsteht die Kapelle zur "Schönen Maria". Ab 1520 wirkt er im badischen Waldshut als Priester. Er öffnet sich dem reformatorischen und dem täuferischen Gedankengut und wird Reformator dieser Stadt. Als die Habsburger Waldshut besetzen, flieht er nach Zürich. Weil er mit den Täufern befreundet ist, wird er inhaftiert, zum Widerruf gezwungen und schliesslich des Landes verwiesen. Er gelangt nach Nikolsburg in Mähren. Da in Mähren für einige Zeit religiöse Versammlungsfreiheit herrscht, suchen hier viele Täufer aus dem Tirol und aus Süddeutschland Zuflucht. Gegen 12 000 Menschen schliessen sich in kurzer Zeit der Gemeinde an. In einer Disputation mit HANS HUT, der die Christen auf eine strenge pazifistische Haltung verpflichten will, tritt Hubmaier dafür ein, dass die Christen besonders dazu qualifiziert seien, Regierungsämter wahrzunehmen. In seiner Schrift "Vom Schwert" wünscht er sich christliche Obrigkeiten, da diese besser ihren Auftrag erfüllen können und nicht nur auf Macht und Pomp bedacht seien, wie die unchristlichen. Wörtlich schreibt er: "So die Obrigkeit mich oder einen andern auffordert, ihr dabei behilflich zu sein, den Übeltäter, den sie nach der Ordnung Gottes töten muss, hinzurichten, so sind wir verpflichtet, ihr zu helfen. Und wer sich dagegen zur Wehr setzt, widerstrebt der Ordnung Gottes ..."5 Als Ferdinand Landesherr von Mähren wird, lässt er im Juni 1527 den grossen Volksprediger wegen Anstiftung zur Aufruhr verhaften. Auf einen Wagen geschmiedet wird er nach Wien gebracht, eingekerkert und am 10. März 1528 in Wien auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Drei Tage später wird seine Frau mit einem Stein um den Hals von der grossen Donaubrücke gestürzt und ertränkt. Balthasar Hubmaiers Leitsatz lautet: "Die Wahrheit ist untödlich"! Die eigenständige Theologie Balthasar Hubmaiers könnte heute die freikirchliche Theologie in manchen Punkten befruchten.

Quellentext: Balthasar Hubmaier, Das wahre bibllsche Taufverständnis: Der Lehrer Urteil (1526)

'' Der Apostel Paulus [schrieb]: .. Lasset uns hinzutreten zu Christus, erstens mit wahrhaftigem Herzen in Vollkommenheit des Glaubens, zweitens gereinigt in unserem Herzen vom bösen Gewissen, d.h. mit der inneren Taufe, drittens gewaschen am Leibe mit reinem Wasser [Hebr 10,22]. Dann kommt [nämlich] erst die äussere Taufe, die ohne die innere nichts als Schein und Heuchelei ist. Denn wie ich den Korinthern geschrieben habe, 1Kor 11 [28f.], dass sie sich vorher prüfen sollten, ehe sie vom Brot essen und von dem Kelch trinken, oder sie werden sich selbst zur Verurteilung essen und trinken, ebenso sage ich, ja, nicht ich, sondern Christus selber, dass man vorher glauben solle, ehe man die Taufe empfange [Mark 16,16]; oder man handelt gegen seine Worte, Lehre und Einsetzung; und das ist eine greuliche Abgötterei, nicht gehorsam gegenüber den Worten des Herrn zu sein.

Ich schweige darüber, dass durch eine solche Kindertaufe die Menschen der rechten Taufe Christi beraubt werden, indem sie meinen sie seien getauft, und sind doch nicht mehr als [nur äusserlich] getauft. Es werden auch Noah mit Ham, Sem, Japhet und ihren Frauen gegen uns zeugen und sagen: "Seht ihr, wir sind ein Gleichnis für die Wassertaufe gewesen mit unserer Arche in der Sintflut, wie es der heilige Petrus euch geschrieben hat in seinem Brief", 1.Petr 3[,20; Gen 6,18]. Nun hat aber niemand die Arche betreten, es sei denn, er hätte zuvor dem Wort Gottes Glauben geschenkt, Ebenso solltet ihr auch niemanden mit Wasser taufen, der nicht vorher gläubig geworden ist ...''

Balthasar Hubmaier, Schriften, hg. von G. Westin, S. 254.

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Die Hutterer

Die Hutterer gehen auf JAKOB HUTTER (od. Huter, um 1500-36), einem Südtiroler Hutmacher zurück. Im Gegensatz zu Hubmaier bekennen sie sich zur Wehrlosigkeit, so dass sie sich in Mähren von der Gemeinde in Nikolsburg trennen. Nach Verfolgungen entstehen nach 1536 die ersten Bruderhöfe in Mähren. Durch Mission werden weitere Zuwanderer aus Tirol, Österreich und Süddeutschland gewonnen, so dass schliesslich an etwa 80 mährischen Orten Bruderhöfe mit ca. 80 000 Gläubigen aufgebaut werden. Durch die Gegenreformation und den Dreissigjährigen Krieg müssen viele Bruderhöfe aufgegeben werden. Die Hutterer zerstreuen sich über weite Teile Europas: einige gelangen in die Pfalz, andere nach Westpreussen, nach Siebenbürgen bis zur Ukraine. In verschiedenen Abständen lassen sie sich in Süd- und Nord-Dakota (USA) nieder, von wo sie sich rasch weiter ausbreiten. - Im Gegensatz zu den Amischen setzen die Hutterer zur Bewirtschaftung der Felder modernste Maschinen ein. Die Hutterer haben noch heute Gütergemeinschaft und pflegen einen einfachen Lebensstil. Die Bruderhöfe haben Kindergärten, Schulen, Werkstätten und gemeinsame Küchen. Der ganze Ort hat eine gemeinsame Kasse. Ihre Frömmigkeit ist von vielen traditionellen Elementen geprägt.

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Die Katastrophe von Münster

Durch MELCHIOR HOFMANN (auch Hoffmann, um 1495-1543) gelangen die Gedanken des Täufertums nach Holland, Friesland, ja sogar bis nach Livland (Baltikum). JAN VOLKERTS TRYPMAKER verbreitet die Lehre der Glaubenstaufe in Holland. Hofmann vermischt sie mit eigenartigen Endzeiterwartungen, die um das 1000jährige Reich kreisen. Aus dem Kreis seiner Anhänger, der sog. "Melchioriten" entsteht eine Gruppe von militanten Täufern, die mit Gewalt auf die Errichtung des 1000jährigen Reichs hinwirken. Unter JAN VAN LEY-DEN (JAN BOCKELSON) als "Apostel" und JAN MATHYS, ein Bä-cker aus Haarlem, wird im westfälischen Münster das "Täu-ferreich" ausgerufen. Sie verkünden eine Botschaft der Rache: Die Gottlosen müssen vertilgt werden, damit die Frommen fortan herrschen und regieren können. Die Bürger der Stadt werden von einem Rausch erfasst, die Kirchen geplündert und die Altäre zerstört. Die Erwachsenentaufe wird zum Gesetz erklärt. Andersdenkende Männer, Frauen und Kinder werden mitten im Winter 1534/35 aus der Stadt verjagt oder getötet. Jan van Leyden lässt sich als "König des neuen Jerusalems" ausrufen und führt die Vielweiberei ein. Der Spuk dauert nur kurze Zeit. Fürstbischof FRANZ VON WALDECK belagert die Stadt anderthalb Jahre lang, bis sie durch Verrat gestürmt werden kann. Tausende werden niedergemetzelt. Die Anführer werden gefangen genommen und zu Tode gequält. Ihre Leichen werden in eisernen Käfigen am Turm der Lambertikirche zur Schau gestellt. Die Stadt wird nun systematisch rekatholisiert. Diese Ereignisse haben der Täufer-bewegung unsäglich viel geschadet. Bis heute zeichnet man von ihr ein oft verzerrtes und mit Vorurteilen belastetes Bild. Wer unterscheidet schon zwischen den pazifistischen Täufern, die bereit gewesen sind, bis zum Tod Jesus nachzufolgen und dieser schwärmerischen, von den Täufern selbst verurteilten Abspaltung?

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Zum Ausdruck "Schwärmer" #Schwärmer

Der Ausdruck "Schwärmer" rührt vor allem von Luther her. Er betitelt wiederholt seine Gegner, egal ob dies Katholiken, Zwingli, Schwenckfeld, die Täufer oder irgendwelche Gruppierungen sind, pauschal mit dem Schimpfwort "Schwärmer". Leider wird dieser Begriff bis heute im religionskundlichen Sinn oft unbesehen verwendet, um unterschiedlichste Strömungen "einzuordnen". Im Zusammenhang mit den Täufern sollte man jedoch folgende Begriffe gut auseinanderhalten:

Wichtigstes Kennzeichen der Täufer ist ihr Biblizismus, durch den sie die Idee des Staatskirchentums verwerfen. Neben dieser Unterscheidung von Bürgergemeinde und Christusgemeinde betonen sie auf Grund der Bergpredigt die Bekehrung zu Christus und eine kompromisslose Nachfolge des auferstandenen Herrn. Auf die Täufer werden wir weiter unten nochmals zurückkommen.

Das Denken der Spiritualisten wird stark von den Mystikern geprägt. Ihr Glaube wird "zu einem von aller Geschichte unabhängigen Erleuchtetsein".6 Sie denken in einem griechisch geprägten Dualismus, der äussere Strukturen gering achtet, dafür um so mehr das innere Licht zum Führer macht. Die äussere Gemeindebildung erachten sie als nebensächlich oder lehnen sie ab. Für den Spiritualist SEBASTIAN FRANCK (1499-1542) ist die Reformation durch die unsichtbare Geistkirche überholt. Die protestanti-sche Schriftautorität ist für ihn ein "papierenen Papst", die Bibel "eine ewige Allegorie" und der Sakramentsstreit ein "Affenspiel des Teufels". Ein anderer Spiritualist ist HANS DENK, der seine täuferische Vergangenheit auf dem Totenbett in Basel zugunsten des Spiritualismus widerruft.

Die Schwärmer sind überzeugt, dass es eine Offenbarung über die Bibel hinaus gebe (wie grundsätzlich die Spiritualisten auch). Zugleich sind sie von einem ausufernden Sendungsbewusstsein getrieben, die Welt verändern zu wollen. Während die Spiritualis-ten von ihrer Innerlichkeit leben, rufen die Schwärmer zur revolutionären Tat auf. Bei-spiele sind THOMAS MÜNTZER oder MELCHIOR HOFFMANN. Durch die Offenbarungen Hoffmanns lassen sich niederländische und norddeutsche Täufer zum "Wiedertäufer-Reich" in Münster hinreissen.

THOMAS MÜNTZER, der übrigens nicht zu den Täufern gezählt werden kann, ist als typischer Schwärmer einzuordnen. Heinold Fast umschreibt seine Theologie folgendermassen: "Nicht das Wort der Bibel, sondern die unmittelbare Erleuchtung stellte er an erste Stelle. Nicht die Rechtfertigung aus Glauben allein, sondern die Läuterung durch das Kreuz des Leidens war die Vorbedingung für das Heil. Diese spiritualistischen Züge verbanden sich mit der Verkündigung des unmittelbar bevorstehenden Weltendes. Die Vorstellung einer in aller Welt verstreuten Kirche der Geisterfüllten wurde abgelöst von der Hoffnung auf die Errichtung eines Gottesstaates. ... Er verkündigte den Fürsten den Anbruch der letzten Phase der Weltgeschichte, des Zeitalters des Geistes. Bibel und Schriftgelehrte seien abgelöst. In Visionen und Träumen werde Gottes Wille erkannt".7 Müntzer verbindet sich mit den aufrührerischen Bauern, wo er sein Ende findet.

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Ein Priester beginnt die Bibel zu lesen

Eine der wichtigsten Persönlichkeiten der Täuferbewegung des 16. Jh. ist MENNO SIMONS (1496-1561). Er wird 1496 in Witmarsum im niederländischen Friesland geboren. Mit 26 Jahren wird er in Utrecht zum Priester geweiht. Während der ersten zwei Jahre seines Amts liest er die Bibel nie, aus Furcht, durch sie verführt zu werden. Wiederholt hat er grosse Zweifel, ob sich Brot und Wein bei der Messe in den Leib und das Blut Christi wandeln. Als die Spannung unerträglich wird, greift er zum Neuen Testament und kommt zur Überzeugung, dass die Wandlungslehre biblisch nicht haltbar sei. Er ist erschüttert von der Hinrichtung eines Täufers und beginnt reformatorische Schriften zu lesen. Vielem kann er innerlich zustimmen, vermisst jedoch die Wiederherstellung des urchristlichen Gemeindeprinzips. Nach der Niederwerfung des "Täuferreichs" in Münster macht er sich Vorwürfe, den militanten Führern nicht genügend entgegengetreten zu sein. 1536 tritt Menno Simons aus der römisch-katholischen Kirche aus und lässt sich taufen. Damit hört für ihn das geruhsame Leben auf. Er wandert predigend und lehrend von Gemeinde zu Gemeinde im niederländisch-niederdeutschen Raum. Überall sind Häscher auf seinen Spuren. Freunde, die ihn beherbergen, müssen mit hohen Bussen rechen oder werden sogar hingerichtet. Kaiser KARL V. veröffentlicht gegen ihn ein Edikt und lässt ihn steckbrieflich suchen. Mehrmals entgeht er nur knapp der Verhaftung. Durch das unstete Wanderleben wird seine Gesundheit angegriffen, so dass er im Alter an Krücken gehen muss. Noch mehr als die Verfolgungen machen Menno Simons jedoch die Zwistigkeiten unter den Gemeindegliedern zu schaffen. Lasche Gemeinden ermahnt er zu mehr Festigkeit, den gesetzlichen predigt er die in Christus geschenkte Freiheit.

In den sechs letzten Lebensjahren findet Menno Simons freundliche Aufnahme beim Grafen BARTHOLOMÄUS VON AHLEFELD in Wüstenfelde bei Oldesloe in Holstein. Menno kann dort eine Druckerei für die Verbreitung seiner zahlreichen Schriften betreiben. Seine Hauptschrift heisst: Ein Fundament und klare Anweisung von der seligmachenden Lehre unseres Herrn Jesus Christus ..., welcher er seinen Lieblingsvers aus 1.Kor 3, 11 vorangestellt hat: "Einen anderen Grund kann niemand legen, als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus". Ihm geht es in dieser, wie in den andern Schriften, um den bibelorientierten Gemeindeaufbau und eine lebendige Nachfolge Jesu. Er legt dar, dass der rechtfertigende Glaube persönlich angeeignet werden muss, damit er nicht ein blosser "Mundglaube" oder "toter Kopfglaube" bleibt. Bezüglich seiner pazifistischen Einstellung hat er sich bei den Schweizer Brüdern und den Hutterern orientiert. Er schreibt: "Unsere Waffen sind nicht Waffen, womit man Städte und Länder verwüstet ..., sondern es sind Waffen, mit denen man das Reich des Teufels zerstört, das gottlose Wesen in den Gewissen der Menschen vernichtet und die steinharten Herzen zerknirscht, welche noch nie von dem himmlischen Tauf des heiligen Worts besprengt worden sind".8 Von Menno Simons wird der Name "Mennonit" abgeleitet, der für die Täufer gebräuchlich geworden ist. In den letzten Jahren schliesst er sich radikal gesetzlichen Gemeinden an, in durch eine strenge Bannpraxis Familien zerrissen werden, ein sehr bedauernswerter Entscheid. 1561 stirbt er in Wüstenfelde. - Im niederländischen und niederdeutschen Gebiet werden von den Regierungen etwa 1500 Täufer umgebracht, im ganzen Reichsgebiet sind es mehrere 10 000 Menschen. Diese Massen von hingerichteten Gläubigen sind beispiellos im gesamten Zeitalter der Reformation und Gegenreformation.

Bereits Ende des 16. Jh. werden die Täufer in den Niederlanden nicht mehr verfolgt. Um 1650 beträgt die Zahl der Täufer in Nordholland, Westfriesland und Groningen etwa 20% der Bevölkerung! Um 1700 schätzt man ihre Zahl auf 160 000!

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Protestantische Inquisition in Zürich und Bern

In der Schweiz, sind die Täufer bis ins 19. Jh. Zwangsmassnahmen ausgesetzt. Die Regierungen des Kantons Bern und Zürich versuchen durch zahlreiche "Mandate gegen die Wiedertäufer" diese Bewegung auszurotten. Man ordnet riesige Bussen an, wenn jemand Täufer beherbergt (dies gilt sogar für die eigenen Familienmitglieder!), man setzt die Gefangenen zur Abschreckung schlimmen Haftbedingungen aus, man verkauft sogar einzelne als Galeerenruderer nach Venedig und Sizilien und deportiert Hunderte ins Ausland. Der Regierung Zürichs gelingt es um 1700 die letzten Täufer ins Ausland abzuschieben.

Hartnäckiger verläuft der Kampf im Emmental. Bern setzt zu Beginn des 18. Jh. Täuferjäger ein, die von der "hohen christlichen Obrigkeit", wie sich die Regierung nennt, angestellt sind und ihre Aufgabe mit rücksichtsloser Brutalität ausüben. Gleichzeitig erlässt die Regierung Amnestiemandate, in denen den Täufern "gnädigerweise"(!) erlaubt wird, ihre Heimat zu verlassen. Dutzende von Familien werden auseinandergerissen und ihre Bauernhöfe werden zwangsversteigert. Mit dem Geld finanziert man u.a. den Bau und die Re-novierung von zahlreichen reformierten Kirchen in Emmental.

Viele Täuferfamilien können sich der Verfolgung nur durch die Flucht entziehen. Seit dem 16. Jh. lassen sie sich im Jura, dem damaligen Fürstbistum Basel, nieder. Auf den Jurahöhen können sie karge Bauernhöfe pachten. Viele liegen um 1000 M.ü.M. und die kalten Winter machen das Überleben zum Problem. Doch die Täufer erweisen sich als sehr arbeitsam. Durch ihren Fleiss machen sie die kargen Kalkböden fruchtbar. Die dort entstehenden Mennonitengemeinden sind sprachlich, religiös und kulturell isoliert.

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Spaltungen

Die Täufer sind seit Beginn ihrer Entstehung eine sehr heterogene Erscheinung. Es bilden sich schnell verschiedene Flügel. Das Gemeinsame dieser Gruppen ist der Biblizismus und das Bekenntnis zur Glaubenstaufe.

Im schweizerischen-süddeutschen Bereich entsteht durch Michael Sattler eine pazifistische Bewegung, ebenso durch Menno Simons im niederländisch-norddeutschen Gebiet. Diese pazifistischen Anhänger haben jedoch ein gebrochenes Verhältnis zum Staat, was z.T. durch die harten Verfolgungswellen zu erklären ist. Durch die Ablehnung der Zwei-Reiche-Lehre von Kirche und Staat gelingt es ihnen nicht, z.B. in Germantown in Amerika ein funktionierendes Staatswesen aufzubauen; die Gemein-den sind mit der Regierung identisch. Diese pazifistische Ausrichtung hat das Mennonitentum am nachhaltigsten geprägt.

Balthasar Hubmaier lehrt, dass gerade Christen moralisch qualifiziert seien, Regierungsämter wahrzunehmen. Um das Recht zu schützen, seien sie zur bewaffneten Verteidigung verpflichtet. Hubmaier ist einer der wenigen, der eine staatsfreundliche Haltung vertritt. Auf seine Theologie haben hauptsächlich die Baptisten zurückgegriffen.

Unter Melchior Hofmann entsteht das schwärmerische, in Gewalt ausartende Täufertum. Diese sog. "Melchioriten" bauen auf Visionen auf und werden und im Widertäuferreich in Münster grausam niedergerungen.

Ebenfalls schwärmerisch ist die Bewegung um Hans Hut, der eigentümliche Endzeitlehren (Naherwartung) verbreitet.

In dem von Jakob Hutter geprägten Täufertum entstehen die auf Gütergemeinschaft aufgebauten Bruderhöfe.

Schliesslich ist Hans Denk als Spiritualist gestorben, der auch auf Ludwig Hätzer und andere Täufer einen Einfluss ausgeübt hat.

Neben diesen sechs Hauptrichtungen entstehen noch weitere Gruppen, die aber nur eine örtliche Bedeutung haben.

Durch die dauernden Verfolgungen und die konsequente Hinrichtung der geistlichen Führer werden die Gemeinden sehr geschwächt. Sie sind von Fanatismus und Gesetzlichkeit bedroht. Schwenckfeld, der viele Leiter persönlich gekannt hat, schreibt von den verdrehten Aussagen der Melchioriten. Von anderen Gruppen weiss er, dass sie die Taufe gesetzlich handhaben oder dass ihnen weder etwas Gründliches über die Verderbtheit der menschlichen Natur noch von der Macht der Sünde bekannt ist. Er schreibt: Auch sie wissen "wenig von der Art der Natur des wahren gerechtmachenden Glaubens, so wenig sie auch von der neuen Geburt aus Gott etwas wissen".9 Er wirft den Täufern vor, sie würden die Wassertaufe mit der rettenden Wiedergeburt verwechseln und sich in einer gefährlichen Sicherheit wiegen. Allgemein ist man der Auffassung, dass diese Urteile Schwenckfelds zu einseitig sind. Dennoch hat er sich sehr bemüht, die Täufer gerecht zu beurteilen. Auch Täufer wie etwa Menno Simons haben vor einem "toten Kopfglauben" gewarnt, eine Gefahr, die immer aktuell ist.

Eine weitere wichtige Spaltung entsteht Ende des 17. Jh. im Kanton Bern. Der aus Erlenbach im Simmental stammende JAKOB AMMANN versucht den Täufergemeinden im Em-mental und im Berner Oberland eine sehr strenge Gemeindeordnung aufzuerlegen. Er fordert, dass die Gläubigen die Ehe- und Tischgemeinschaft (!) mit den Gebannten (Ausgeschlossenen) meiden müssten. 1693 kommt es zu einer verhängnisvollen Spaltung, die sich bis ins Elsass und die Pfalz auswirkt. Die Amischen, wie diese gesetzlichen Täufer nun genannt werden, verwerfen auch die damalige, sehr auffällige Knopfmode; ein Christ sollte nur Kleider mit Hacken und Ösen tragen, denn:

"Die mit Knöpfen und Taschen wird der Teufel erhaschen, die mit Hacken und Ösen wird der Herr erlösen".

Ab 1720 wandern die meisten Amischen oder "Häftler" nach Pennsylvanien aus. Es kommt zu weiteren Spaltungen unter den Amischen. Gegenüber technischen Errungenschaften sind sie skeptisch, meistens ablehnend. Sie pflegen bewusst einen einfachen Lebensstil. Gewisse Amische sprechen noch heute ein altes Berndeutsch.

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Der Einbruch des Rationalismus

Im 18. Jh. erleben die niederländischen Mennoniten einen Mitgliederschwund, der mehr als eine statistische Katastrophe ist. Um 1700 gibt es etwa 160 000 Mitglieder; Um 1800 sind es noch etwa 30 000, 1980 noch 25 000 und 1992 15 500 Mitglieder. Gründe dafür ist der Einbruch der rationalistischen und später der liberalen Theologien in die Gemeinden und die damit verbundenen Gemeindespaltungen, die steigende Zahl von Mischehen, die Auflösung der Gemeindezucht und der akute Predigermangel. Lichdi schreibt in sei-nem mennonitischen Geschichtswerk: "Es zeigte sich, dass ein so locker gefügtes Gebilde wie die Mennoniten in den Niederlanden im 18. Jahrhundert, mit den Problemen schlechter fertig wurde als die synodal organisierten calvinistischen Gemeinden oder die episkopal verfassten Lutheraner oder Katholiken. Den Mennoniten fehlte die Lehrautorität einer Synode oder eines anerkannten Amtes, ihre Zusammenarbeit war zufällig; es mangelte an festen Institutionen und einer gemeinsamen Willensbildung. Im Ansturm des Unglaubens konnten die einzelnen Gemeinden zu wenig Halt in einer grossen Gemeinschaft finden".10

Auch in Deutschland, vor allem in Mittel- und Norddeutschland, kommt es zum Verlust einer biblisch und inlandmissionarischen Theologie, was sich ebenfalls äusserst fatal auf die Gemeinden auswirkt. 1930 zählt man um 18 000, 1980 noch 8000 Mitglieder (ohne Russlandrückwanderer).

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Verweht in alle Winde

Viele Täuferfamilien ziehen ins Ausland, besonders in die Pfalz. Von dort, und von Holland, wo ebenfalls Flüchtlinge Zuflucht gefunden haben, brechen viele Mennoniten freiwillig nach Nordamerika auf. 1683 wandern die ersten dreizehn Krefelder Familien in die Neue Welt aus, wo sie in Pennsylvanien Germantown gründen, das heute ein Stadtteil von Philadelphia ist. Zusammen mit den Quäkern protestieren einige Mennoniten 1688 gegen die Sklaverei eine geschichtlich wegweisende und humane Tat.

Von Norddeutschland ziehen ganze Familien nach Westpreussen. Als Danzig durch die polnische Teilung Preussen zufällt, können die Mennoniten nicht mehr ungehindert Land erwerben, ohne wehrpflichtig zu werden. Zarin KATHARINA II. verspricht den Mennoniten Privilegien, mit der Bedingung, dass sie in Südrussland Kolonien aufbauen würden. 1789 lassen sich über 346 Familien nach einem entbehrungsreichen Marsch im Gebiet um Chortitza Teil des Dnjepr in der Ukraine nieder. Da man ihnen entgegen der Abmachungen Ödland zugewiesen hat, wird der Aufbau der Kolonie sehr entbehrungsreich. Hunderte von weiteren Familienverbänden folgen

im 19. Jh. und bauen weitere Kolonien auf (Molotschna, unteres Wolgagebiet, Krim, Kuban, Terek, Turkestan und Barnaul in Sibirien). Im 20. Jh. beginnt für sie eine neue, schwere Leidenszeit. Durch die kommunistischen Usurpatoren werden sie enteignet und unter Stalin nach Sibirien deportiert. Unter schwierigsten Bedingungen versuchen viele Familien in den Westen zu fliehen. Sie lassen sich vor allem in Paraguay, Uruguay und Brasilien nieder, wo sie unter grossen Mühen den Chaco zu bearbeiten beginnen. Eine Bemerkung zu einer grotesken Situation: Während die damalige Ud SSR?, resp. das heutige Russland mit seinen fruchtbaren Böden der Ukraine die Kornkammer Europas sein könnte, ist dieses Land gezwungen, aus den Ländern das Getreide zu importieren, wohin die Mennoniten geflohen sind!

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Entstehung der Mennoniten Brüdergemeinden

Wie sehr die Mennoniten in ihren Traditionen festgefahren sind ersehen wir aus der Situation in Südrussland. JOHANN GERHARD ONCKEN, der Begründer vieler deutscher Baptistengemeinden, lernt auf seiner Südrusslandreise Mitte des 19. Jh. Mennoniten kennen. Er schreibt, sie hätten sich durch drei Merkmale von der russischen Bevölkerung unterschieden. Erstens seien die meisten regelmässig in den Gottesdienst gegangen, zweitens hätten sie den Kriegsdienst verweigert und ihr drittes Merkmal sei gewesen, dass sie in Mengen Schnaps gebrannt hätten. In Südrussland kommt es in den folgenden Jahren zu besonders unrühmlichen Ereignissen. Als 1866 der Baptistenprediger AUGUST LIEBIG von erweckten Mennoniten eingeladen wird, sorgen andere Mennoniten dafür, dass er in Odessa in Haft gerät. In einem Brief Liebigs an Oncken lesen wir: "Mennoniten haben mich in die Hände der russischen Obrigkeit überliefert. Überhaupt waren es Mennoniten, die in jüngster Zeit Brüder, die neu belebt wurden, ins Gefängnis legten. O, dass der Herr ihnen Russlands Privilegien nehmen wollte, damit ihnen wieder Gottes Privilegium (geschenkt) werde, Sünder zu Christus zu führen"!11 Solche Ereignisse machen einen betroffen. Sie passen durchaus nicht ins Bild einer Kirche, die sich als historische Friedenskirche versteht. Sie sind ein warnendes Beispiel, wohin verkrusteter Glaube führen kann.

Durch den aus Württemberg stammende und im pietistischen Sinn wirkende Pfarrer EDUARD WÜST erschrecken zahlreiche Mennoniten über ihren eigenen geistlichen Substanzverlust. Sie verlangen eine neue Hinwendung zur neutestamentlichen Gemeindepraxis. 1860 treten 18 Brüder aus der Mennonitengemeinde aus und gründen eine neue Gemeinde. Aus diesem Anfang entwickeln sich nicht ohne Auseinandersetzungen mit den "kirchlichen" Mennonitengemeinden, die Mennoniten Brüdergemeinde. Dieser schnellwachsende Verband betont die persönliche Bekehrung und geistliche Wiedergeburt. Im Gegensatz zu den traditionellen Mennonitengemeinden führen sie die Untertauchtaufe ein und sind betont missionarisch ausgerichtet. Wegen staatlichen Repressionen (besonders durch die kommunistischen Machthaber) wandern sie vor allem nach Nordamerika aus.

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Kein Anschluss der Schweizer Täufer an den Réveil

Die Zeit der Helvetischen Republik (1798-1803) bringt den Täufern für kurze Zeit Religionsfreiheit. Danach arrangieren sie sich mit dem Kanton Bern, der ihnen nur unter der Bedingung Versammlungen erlaubt, wenn sie auf jegliche evangelistisch Tätigkeit verzichten, also ein überaus fauler Friede, der nichts mehr vom Bekennermut der Väter übriglässt.

In den ersten Jahrzehnten des 19. Jh. bricht in der Westschweiz der Réveil auf, eine nachhaltige Erweckungsbewegung, aus der die Eglises Evangéliques Libres, die Freien Evangelischen Gemeinden, die Methodisten, die Neutäufer (heute: Evang. Täufergemeinden) und andere Freikirchen entstehen.

Seit 1816 wirkt AMI BOST in Moutier (deutsch: Münster). Im Münstertal wohnen Herrnhuter wie die Familie MERILLAT. In Crémines wohnt die erweckte Familie Gobat, aus der SAMUEL GOBAT entspringt, der Vater von Dora Rappard. Trotzdem kommt es zwischen den Mennoniten und den Erweckten zu keinen nennenswerten Kontakten. Die Täufer, die ihre Geburtsstunde einer riesigen Erweckungsbewegung verdanken, haben offenbar die Anhänger dieser neuen Erweckungswelle nicht als ihre geistlichen Brüder erkannt, obwohl sich ein Grossteil der von der Erweckung erfassten Menschen zu täuferischem Gedankengut durchringt. Dadurch, dass sich die Täufer nicht in diese Erweckungsbewegung hineingegeben haben, sind sie eine der kleinsten Freikirchen geblieben. Erst bei der Wende zum 20. Jh. erleben die Schweizer Täufer erweckliche Aufbrüche.

Im Emmental wirkt der geistesmächtige ULRICH STEINER (1806-77). Er wird weit über die Grenzen der eigenen Gemeinde hinaus geachtet und geliebt. Da sich auch Aussenstehende bekehren und seinen Taufunterricht besuchen, wird er von einem Pfarrer wegen Proselytenmacherei verklagt und für einige Tage ins Gefängnis gesteckt, und das Mitten im 18. Jh. Im Jura fand besonders JAKOB VETTER Zugang zu den Täufern. Ihm sind manche wichtige geistliche Impulse zu verdanken und viele Täufer haben durch ihn eine Bekehrung zu Jesus Christus erfahren.

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Die Aussenmission

Angeregt durch die englischen Baptisten, senden die niederländischen Mennoniten 1851 den ersten Missionar nach Java. Die grössten Konferenzen (Gemeindebünde) bestehen heute in Indonesien, Indien, Zaire und Tansania. In Südamerika gründen die Mennoniten Indianermissionen. Greifen wir ein Land heraus. In Äthiopien entsteht 1959 aus schwierigen Anfängen die "Meserete Kristos Church". Durch erweckliche Aufbrüche wächst sie bis 1982 auf 7000 Mitglieder an und erreicht etwa 20 000 Menschen in ihren Gottesdiensten. Seit dem kommunistischen Offiziersputsch von 1974 muss sie sich als Untergrundkirche organisieren und erlebt ein erneutes Wachstum. Viele Christen verschwinden. Teilweise werde sie zu Tode gefoltert. 1977 enteignet die Regierung die Radiostation des Lutherischen Weltbundes in Addis Abeba, die "Stimme des Evangeliums". 1985 z.B. sind über 200 Geistliche verschiedener Kirchen in Haft. Gebäude werden beschlagnahmt. Mit dem Machtwechsel von 1991 können die Gläubigen wieder öffentliche Gottesdienste abhalten.

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Die Verbreitung der Mennoniten

Die Gesamtzahl der Mennoniten beläuft sich 1990 etwa auf 860 000 Gläubige in über 60 Ländern auf alle Kontinente verteilen. (Ungetaufte und Kinder werden nicht mitgezählt.) Verglichen mit anderen Freikirchen gehören die Mennoniten zu den kleineren Bewegungen (Baptisten: ca. 30 Millionen).

  • Afrika 170'000
  • Asien 150'000
  • Nordamerkia 380'000
  • Zentral- und Südamerika 90'000
  • Australien 100
  • Europa 70'000
    • Belgien 40
    • Deutschland 18'500 davon über 10'000 Mennoniten, die vom Osten zugewandert sind)
    • Irland 10
    • Spanien 220
    • Frankreich 2'000
    • England 30
    • Luxembrug 100
    • Niederlande 15'000
    • Östereich 300
    • Schweiz 2'500
    • GUS 30'000 (stark rückläufig wegen Auswanderung)

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Quellenangaben

  • 1 Kritsche Zwingliausgabe, Bd. III, 405,33,zit. in Fritz Blanke, Brüder in Christo, Zürich, 1995, S. 5.
  • 2 Brief von Konrad Grebel und seinen Br
  • 3 Mennonit. Lexikon, Bd. 1 Art. "Bayern", S. 141.
  • 4 Die römische Kirche hat offizell erst auf dem II. Vatikanischen Konzil mitte der 60er Jahre offiziell die Menschen rechte anerkannt. Dies ist eine unfassbare Haltung einer Kirche, die sich auf Jesus und ide Apostel beruft.
  • 5 zit. nach Hubert Stalder, Hermes Handlexikon, Martin Luther und die Reformation, Düsseldorf, 1983, S. 129.
  • 6 Heinold Fast, Der linke Flügel der Reformation, Bremen, 1962, S. XXV.
  • 7 ebenda, S. 270.
  • 8 Menno Simons, Veratwortung, 1554.
  • 9 Karl Ecke, Fortsetzung der Reformation, S. 103.
  • 10 Dieter G. Lichdi, Ãœber Zürich und Wittmarsum nach Addis Abeba, Maxdorf, 1983, S. 90.
  • 11 Hans Lucky, Joh. Gerh. Oncken und dir Anfänge der deutschen Baptismus, Kassel, 1934, S. 263.

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Autor: ph.uhlmann:bibliorama.ch

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